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Family news
 
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Important:Verwendete Literatur der Artikel auf erlewein´s website
Posted by: Rolf Erlewein on Nov 15 2014 14:21

„Um Rhein und Murg“,
3. Heimatbuch des Landkreises Rastatt (1963), Herausgeber Landkreis Rastatt, Greiserdruck Rastatt

„700 Jahre Hörden“ (1251-1951),
Festschrift Heimatbuch des Marktfleckens und ehemaligen Flößerdorfes Hörden, herausgegeben aus Anlass der 700-Jahrfeier am 7. - 9. Juli 1951 von der Gemeindeverwaltung Hörden im Landkreis Rastatt

„480 Jahre Fastnacht in Schmalzloch“,
1988 50 Jahre Narrenzunft Hörden, Herausgeber Narrenzunft Schmalzloch-Hörden e.V., Programm Verlag Baden-Baden

„Der Landkreis Rastatt“,
Band II aus dem Jahre 2002

Zeitungsausschnitt „Badische Neueste Nachrichten“,
Nr. 207 vom 8. September 1998

„Die Kunstdenkmäler Badens“,
Herausgegeben vom Regierungspräsidium Südbaden, Band 12 aus 1963, Verlag C.F. Müller Karlsruhe

Landesarchiv Baden-Württemberg,
Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe- Bestand 390: Standesbücher-Strukturansicht (Internet)

„Die Murgschifferschaft“,
Max Scheifele, ISBN 39256825207, Casimir Katz Verlag 1988, 2. Auflage 1995

„Der Ufgau",
Oos- und Murgtal, Hermann Eris Busse, Freiburg im Breisgau 1937

"Bad Friedrichshall“,
Band 1 und 2 Herausgeber Stadt Bad Friedrichshall 1983/1996

"Beschreibung des Oberamts Neckarsulm",
Kapitel B 19 – Wikisource (Internet)

„Aus der Geschichte der Stadt Kemnath“,
Heimatbuch erstellt von Anton Reger, herausgegeben von der Stadtgemeinde Kemnath 1981, Verlag Laßleben Kallmünz, ISBN 3784711340

„Kulmainer Heimatbüchlein“,
erstellt von Anton Reger, herausgegeben von der Gemeinde Kulmain 1980, Druckerei Laßleben Kallmünz, ISBN 3784711324

„Kapelleneinweihung Altensteinreuth“,
September 1983

„ Chronik des Schulsprengels der ehemaligen Volksschule Neuensteinreuth“
und Berichte vom Heimatverein Altensteinreuth e.V. 8581 Kulmain

Historischer Atlas von Bayern,
Altbayern Reihe I, Heft 40: Kemnath (Internet)

Gezeichnet
Rolf Erlewein, Mainzer Str. 17a 56068 Koblenz

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Other:Die Anfänge von Kemnath (Stadt) in der Oberpfalz
Posted by: Rolf Erlewein on Nov 15 2014 13:25

Die erste urkundliche Erwähnung Kemnath´s datiert vom 6. Juli 1008. Man weiß jedoch nichts von den ersten Siedlern „in der alten Kemnath“ und damit nur wenig von den Menschen die damals das Land rodeten, die Gegend urbar machten. Weitere Urkunden berichten nur - wenn überhaupt – von Schenkungen und Verkäufen, von Kriegs- u. Brandkatastrophen. Sie erzählen uns dabei auch nichts von denen die dies ertragen mussten, von ihrem einfachen Leben und ihrer harten Arbeit.

Aus bescheidenen Bodenfunden auf dem Rauhen Kulm darf man schließen, dass die Gegend rund 1000 Jahre vor Christi Geburt, wenn auch vermutlich zunächst nur vorübergehend, besiedelt war. Erst aus der Zeit des Vordringens der Slawen in die Landschaft im Süden des Fichtelgebirges im 7./8. Jh. finden sich dauerhafte Zeugnisse auf eine Ansässigmachung von wendischen Volksgruppen. In der Zeit nach 900 erreichten die Bayern, die von Süden her stetig naabaufwärts siedelten, das Land an der Heidenaab. Die ersten Orte entstanden dabei dort, wo es am leichtesten ging. Sie wurden meistens benannt nach dem Siedlungsführer. Oberndorf, Kötzersdorf, Berndorf, Eisersdorf und Senkendorf waren erste bayerische Siedlungen, angelegt zum Schutz für das an der Straßenkreuzung nördlich des Kulm entstandenen KEMINATA.

Die oben erwähnte urkundliche Erwähnung gründet übrigens aus der Schenkung Kaiser Heinrich II. von „Keminate … inpago Nordgouuune“ seinem 1007 gegründeten Bistum Bamberg. Die Urkunde enthält eine Passage, in der der Umfang des neuen Bamberger Stiftlehen´s im Raum von Kemnath, wenn auch nicht klar umrissen, beschrieben wird. Die Schenkung erfolgte jedenfalls mit „allen Zugehörungen“ unter anderem mit „Dörfern, Landgütern, Wäldern und Forsten.“ Rund 700m nordwestlich der heutigen Stadt Kemnath liegt die Flur, die den Namen „In der alten Kemnath“ trägt. Durch diese Flur führte später der Weg von Kemnath nach Berndorf, er kreuzte sich an dieser Stelle mit dem Weg von Oberndorf nach Eisersdorf.
Laut Pfarrer Arckhauer im Jahre 1700 soll dieses Kemnath einst aus „Vier BauernHöffen“ bestanden haben, die an dieser Kreuzung lagen – die auf dem Fernweg Nürnberg-Eger wenigstens eine Möglichkeit zu nächtlicher Unterkunft und Verpflegung gaben. Dafür war späterhin im sogenannten Unteren Dorf Sorge zu tragen. Dort müssen auch außer einem Maierhof und Hütten, die notwendige Schmiede und in der Nähe die Mühle gewesen sein. Solche „Urmaierhöfe“ hatten im Mittelalter öffentlich rechtliche Bedeutung, vor allem aber besondere Rechte und Pflichten die fremden Durchreisenden zu beherbergen. Vermutlich hatte auf einem der vier Höfe ein Ministeriale, also ein Dienstmann aus dem niederen Adel, hier seinen Sitz gehabt. Über die Folgezeit berichten zunächst keine weiteren Urkunden. Lediglich über das an den Bezirk Kemnath anschließend nordöstliche Gebiet im Süden des Fichtelgebirges (zwischen Riglasreuth, Fichtelberg u. Waldershof) gibt es eine Erwähnung aus 1061.

Wer die Ortsherren von Kemnath im Hochmittelalter waren, ist ebenso nicht genau auszumachen; vielfach werden die Grafen von Pettendorf-Lengenfeld-Hopfenohe genannt. Seit dem zweiten Jahrzehnt des 12. Jh. waren es jedenfalls die Leuchtenberger, die späteren Landgrafen, ab 1283 die bayerischen und ab 1329 die pfälz-ischen Wittelsbacher, bevor 1623/28 der Landstrich wieder unter die Herrschaft der bayerischen Wittelsbacher gelangte.

Im Herzogsurbar von 1285 erscheint „Kemnathen“ als Markt mit allen Rechten und Zugehörigkeiten. Südlich der ursprünglichen Siedlung „Altenkemnath“ wurde wohl durch den Landgrafen von Leuchtenberg auf einem im Zwickel der hier zusammenfließenden Gewässer Flötzbach und Schirnitzbach gelegenen Höhenrückeneine neue Siedlung angelegt. Diese erhielt wie inzwischen üblich, einen regelmäßigen Grundriss mit einem Ost-West-ausgerichteten breiten Straßenmarkt als Hauptachse, an dessen breiten Seiten zunächst je eine Häuserzeile zu stehen kam. Später erhielt das ganze Geviert eine Ummauerung. Das obere Ende des Marktplatzes war für das Marktkirchlein mit Bürgerfriedhof bestimmt worden.

Als Zeitpunkt der Stadterhebung bzw. Privilegienverleihung wird das Jahr 1250 genannt, vermutlich geschah diese aber erst viel später. Das will uns vor allem das erste Siegel „Civium de Chemnaten“ aus dem Jahre 1359 zeigen. Eine Erhärtung dieser Datierung dient auch ein wichtiger Satz: „1368 und 1375 ist genannt civitas chemnat, 1402 der Stadtgraben, 1424 die doppelte Ringmauer“. Im Historischen Atlas ist eine kurze Stelle mit folgender Datierung der Erhebung Kemnath´szur Stadt anzutreffen: „Kemnath, seit 1232 als Marktflecken, und seit 1368/75 als Stadt überliefert …“.

Das erste Kirchlein in Kemnath´s Umgebung entstand am nordwestlichen Fuße des Rauhen Kulmes. Es befand sich in unmittelbarer Nähe von Mockersdorf. Hier hatten „die eingewanderten christlichen Baiern … ihre gemeinsame Gebets- und Opferstätte.“ Nach der Schenkung durch Kaiser Heinrich II. veranlassten die Bischöfe von Bamberg im Jahre 1009 dann in Oberndorf ein zweites Kirchlein. Im Bamberger „Stiftland“ gab es somit neben dem weltlichen Stützpunkt auch einen kirchlichen Mittelpunkt. Auch als sich Kemnath zur einer größeren Siedlung entwickelt hatte und zum Markt erhoben wurde, gehörte es pfarrlich immer noch zu Oberndorf, selbst als schon an seinem oberen (östlichen) Ausgangein Marktkirchlein errichtet worden war. Die Verlegung des Pfarrsitzes erfolgte erst ab ca. 1364, um das Jahr 1387 wurde dann im Städtebuch ausdrücklich Pfarrei, Pfarrer und Pfarrhof zu Kemnath genannt. Die Errichtung der ersten eigenen Stadtpfarrkirche erfolgte im Jahre 1448.
Neben der Entlohnung von kirchlichen Dienstverrichtungen bildeten der große Zehent (Getreidezehent) und der kleine Zehent (Grünzehent) die wichtigste kirchliche Einnahmequelle. Die Stadt Kemnath und die Pfarrorte der Umgebung entrichteten den Zehent, mit Ausnahme von Eisersdorf und Höflas, in Naturalien. In den beiden genannten Orten war der Zehent „verkaufft“, so hatte Eisersdorf z.B. jährlich 10 fl 30 kr zu bezahlen.

Um 1500 wurde dem Magistrat gestattet eine Straße durch die Stadt anzulegen. Durch die Durchgangsstraße wurde Kemnath zu einer Zollstelle, auf die Zolleinnahmen hatte der Territorialherr Anspruch.

Der wirtschaftliche Aufschwung im Mittelalter war zunächst das Ergebnis handwerklicher und gewerblicher Tüchtigkeit und die Bedachtsamkeit darauf, mit unermüdlichem Fleiß erarbeitetes Gut zu mehren. Der Wohlstand der Stadt war weiterhin bedingt durch den Reichtum des Erzbergbaues und die Verarbeitung des Erzes im Amtsbereich Waldeck, dessen Hauptort ja Kemnath war. Es kann nicht außer Acht gelassen werden, dass auch die „Rittersleute“ auf den Edelsitzen in der Umgebung der Stadt in nicht geringem Maße dazu beitrugen, das Einkommen der Bürger zu mehren (dabei u.a. die Frankenreuther auf Eisersdorf von 1426-1609).
Als wesentliches Mittel der Hebung des bürgerlichen Wohlstandes darf nicht zuletzt das Leben und Treiben auf den Jahr- und Wochenmärkten betrachtet werden. Auf den Märkten legen neben den herumziehenden Kaufleuten auch die Handwerksmeister der Stadt aus und die Bauern der Umgebung müssen ihre Feilschaften an Getreide und Vieh, Flachs uns Garn, Wolle und Fell bringen. Die Gaststuben schenkten an diesen Tagen ihr selbstgebrautes Bierim Übermaß und der Stadtkämmerer durfte eine besonders willkommene Einnahme durch das Platz-, Stand- und Waagegeld verbuchen.

1698 wurde der Sitz des Landrichters dann von der Burg Waldeck in die Stadt Kemnath verlegt. Sie wurde durch diesen Einzug nun endlich zum alleinigen eigentlichen Mittelpunkt des Amtsbereiches Waldeck, das Amt des Kastners war ja schon seit dem 15. Jh. in ihren Mauern. Kemnath war auch der Sitz des leuchtenbergischen Lehenvogtamtes und der Sitz des oberpfälzischen Lehenverwaltungsamtes, die die Vermögenswerte der Lehenhöfe festsetzten und danach bemessen Steuern und Abgaben vereinnahmten. Außerdem der Sitz des Hauptmautamtes sowie eines Umgeldamtes (hatte die „Oberaufsicht“ über das Brauen) und eines Aufschlagamtes.

Nach dem Steuerbuch von 1673 zählte die Stadt 101 Häuser in 4 Vierteln, dazu 189 Bürger und 16 „Inwohner“.

Umwehrt war Kemnath mit einem doppelten Mauerring, Rund- und Schalentürmen sowie zwei basteiartigen Vorwerken mit Zugbrücken. Ab 1803 wurde der seichte Wassergraben um die Stadt trockengelegt und die Wehranlagen größtenteils demontiert. Restteile der ehemaligen Stadtmauer wurden zwischenzeitlich saniert und zeugen von der einstigen Wehrhaftigkeit der Stadt

Im unheilvollen Landshuter Erbfolgekrieg ist für den Amtsbereich erstmals von kriegerischen Auseinandersetzungen geschrieben. 1504 brannten Truppen des Markgrafen Friedrich jedenfalls Kemnath nieder.
Die größte Heimsuchung brachte jedoch der 30jährige Krieg. Am schrecklichsten tobte er in und um Kemnath in den Jahren 1632, 1634, 1641 und 1648. Die Bevölkerung war schrecklichen Grausamkeiten, ja sogar Folterungen ausgesetzt. Plünderungen und schwere Brandschatzungen waren Normalität. Kontribution mit Androhung von Plünderung und Brand erfolgten bis nichts mehr da war. Nach einem Bericht der bayerischen Kriegskommission war Kemnath danach „ fast zum grundt ruinirt, dort sei fast nichts mehr zu erheben“.
Der „Fried im Land“ hielt danach auch nur etwa ein halbes Jahrhundert an. Im Spanischen Erbfolgekrieg war die „obere Pfalz“ seit 1703 erneut zum Kriegsschauplatz geworden. Ein Chronist vergleicht die Vorkommnisse mit jenen im Dreißigjährigen Krieg wie folgt: „Diese Styrumschen Truppen haben ärger als der Schwed vor alters in der Pfalz gehauset; die Leut haben sie also wegen Geld gepresset, das es das Blut in den Adern nit gelitten; sie haben schrecklich exequiriret, alles Vieh weggenommen und in kältester Winterzeit in ein Dorf zusammengetrieben, daß es erfrieren und verröcken müssen. Die Kälber seint häufig in den Wäldern veröcket und erfroren“.
Danach blieb es immerhin fast ein Jahrhundert im Kemnather Land ruhig. Erst in Folge der Napoleonischen Kriege drangen 1796 nunmehr französische Truppen in die Oberpfalz ein. Gott sei Dank blieb Kemnath selbst weitestgehend davon verschont. Aus der Pfarrei Kemnath fielen im Gefecht bei Kastl jedoch einige wehrfähige Bürger.
Schwereren personellen Aderlass brachte indes Napoleons Russlandfeldzug. Von den über 400 Soldaten aus dem Landgerichtsbezirk Kemnath, die Napoleon in seiner Armee mit nach Russland geführt hatte, kehrten nur rund zwei Dutzend in die Heimat zurück. Im Jahre 1813 hatte Kemnath und seine Umgebung somit am Rande einer gewaltigen kriegerischen Auseinandersetzung noch einmal eine nicht geringe Drangsal zu bestehen.

Wohl kaum eine Stadt in der Oberpfalz und vielleicht nicht einmal im damaligen Königreiche Bayern, wird eine so hohe Anzahl Feuersbrünste aufzählen können wie Kemnath. 1572 wurde der Ort aufgrund Brandstiftung übrigens total eingeäschert. Ältere Aufzeichnungen gibt es leider nicht mehr, sie fielen ebenso sämtlich diesem Feuer zum Opfer. Zweiundzwanzig große Brände folgten jedenfalls bis 1899. Einem der größeren Brände im Jahr 1848 waren, damit man sich eine Vorstellung darüber machen kann, z.B. allein 62 Haupt- und 31 Nebengebäude zum Opfer gefallen, weitere Gebäude wiesen Brandschäden auf. Der Verlust an Immobilien wurde auf 150.000 fl, der an Mobilien auf über 30.000 fl beziffert. Es waren dabei auch einige Menschenleben zu beklagen, mehrere alte Personen verstarben zudem infolge Angst und Schrecken. Drei Frauen waren dieses Brandfrevel angeklagt. Die Haupttäterin wurde verurteilt durch „Tod mittelst Enthauptung“, die beiden anderen Mitangeklagten zur „Kettenstrafe mit vorhergehender einstündiger Ausstellung auf dem Pranger“.

In der Barockzeit war die Kommune, wie bereits schon einmal um die Mitte des 15. Jahrhundert zur Zeit der Erbauung der spätgotischen Stadtpfarrkirche, ein regional bedeutendes Kunsthandwerkzentrum. Bekannt sind vor allem die Maler Sattler, Wild oder Weyh, die Kunstschreiner Eckmann, die Bildhauer Dorsch oder die Goldschmiede Zeillner, Mayer und Kutzer. Nicht vergessen werden darf dabei, dass das Armaturenwerk Fortschau bei Kemnath zwischen 1689 und 1801 die einzige größere Fabrikationsstätte für Handfeuerwaffen der bayerischen Armee darstellte. Wertvolle Exponate aus dieser Zeit können heute im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum in der Fronfeste, einem alten Gefängnis mit noch erhaltenen Zellen, Ketten und Holzpritschen besichtigt werden. Dort werden im Stadtarchiv auch Archivalien der Stadtgeschichte bis in das 14. Jahrhundert beherbergt.
Die kirchenmusikalische Tradition Kemnaths reicht übrigens bis ins 16. Jahrhundert. In der sogenannten Graben-Kapelle gestaltete bereits 1581 der Musikchor die Andachten musikalisch aus. 1693 wurden in der Friedhof-Kirche monatlich musikalische Litaneien mit Posaunen und Violinen abgehalten. Die musikalische Ausgestaltung der Gottesdienste stellte also von Anfang an einen festen Bestandteil des kirchlichen Lebens in Kemnath dar, wobei Musik besonders bei kirchlichen Festen und Feiertagen integriert war, wie auch das Passionsspiel aus dem 18. Jahrhundert zeigt.

Bis zu der durch die Gebiets- und Landkreisreform von 1972 veranlassten Auflösung mit Eingliederung in den neuen vergrößerten Landkreis Tirschenreuth war Kemnath Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises (KEM) im bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz; mit einer der kleinsten Landkreise Bayerns. Die Landkreisbevölkerung belief sich auf knapp 21.000 Einwohner, verteilt auf zum Schluss 36 Gemeinden mit insgesamt 192 Gemeindeanteilen.

Die heutige Teichwirtschaft im Landkreis Tirschenreuth ist mit rund 4.600 Teichen ein naturräumlich prägendes Element, das in dieser Form als einzigartig in Europa angesehen werden kann. Im Augenblick bedecken die gesamten Teiche Flächen, die dreimal so groß sind wie der Tegernsee. Bereits im Mittelalter gab es auf dem Gebiet des heutigen Landkreises bereits schon etwa 10.000 Teiche. Anfang des 19. Jh. war dann der Fischpreis infolge weiter an Zahl wachsender Teiche recht niedrig, was schließlich zu einer Vielzahl an Trockenlegungen führte. Erst ab 1880 wurde die Fischzucht wieder wirtschaftlich lukrativ und viele, inzwischen verwilderte Teiche wieder genutzt.

Die Stadt Kemnath und der Heimatliche Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung e.V. errichteten vor wenigen Jahren einen ca. 2,8 km langen Weg des „phantastischen Karpfens“ rund um die historische Altstadt, der durch 18 unterschiedlich bemalte Karpfenplastiken einen Erlebnischarakter erhält. Damit wurde zum einen die Entwicklung und Tradition der Teichwirtschaft dokumentiert und zum anderen ein interessanter touristischer Beitrag im Stadtgebiet gebildet. Eine Führung lohnt!

Die Stadt Kemnath wird flankiert von den Naturparken Fichtelgebirge und Steinwald. Vulkanketten und die angesprochenen Teichketten formen das einzigartige Kemnather Land. Der alte Stadtkern der einstigen Ackerbürger- und kurpfälzischen Bezirksstadt wird durch ein ovales Stadtbild mit langrechteckigem Marktplatz bestimmt. Erhalten sind noch Teile der ursprünglichen Stadtmauer mit Wehrtürmen und Stadtmauer-Kirch-Turm. Als Baudenkmal bedeutend ist das nach 1848 errichtete, zinnenbewehrte frühere Rathaus, das heute als Amtsgerichtsgebäude dient. Seit 1986 führt die Stadt Maßnahmen der Altstadtsanierung durch.

Und so schreibt die Tourist-Info Kemnath´s mit Überzeugung zu recht:
Ein herzliches Grüß Gott aus Kemnath – dem sogenannten „Tor zur Oberpfalz“ -
das im Jahr 2008 das 1000jährige Bestehen feierte.

Kemnath, mit rund 5400 Einwohnern liegt inmitten des Städtedreiecks Weiden (30km), Bayreuth (28km) und Marktredwitz (25km). Seine weithin noch ursprüngliche, waldreiche Umgebung und die intakte Natur ist geradezu geschaffen für Urlaube voller ausgedehnter Entdeckungstouren, Spaziergänge und Wanderungen. Kemnath ist eine Stadt, in der Lebensqualität großgeschrieben wird,
- Herzlich Willkommen -

Gez: Rolf Erlewein am 18.09.2013,
Ehemann von Maria geb. Wöhrl aus Eisersdorf



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Other:Geschichte von Eisersdorf bei Kemnath
Posted by: Rolf Erlewein on Nov 15 2014 13:09

Wohl schon um die Mitte des 10. Jh. dürften auf dem Rauhen Kulm und dem Waldecker Kegel die ersten Befestigungsanlagen zur Überwachung und Sicherung der Gegend entstanden sein. Die Kolonisationstätigkeit verlief danach in zwei Phasen.

Die ersten Orte entstanden dort, wo es am leichtesten ging. Sie wurden meistens benannt nach dem Siedlungsführer. Zum Schutz um das an der Straßenkreuzung entstandene Keminata (dessen erste urkundliche Erwähnung 1009 erfolgte, aber sicher schon einige Jahrzehnte davor bestanden hat und mit der Einwanderung der Bajuwaren in das Heidenaabgebiet Mitte des 10. Jh. zusammenfällt) herum gruppierten sich Oberndorf, Kötzersdorf, Berndorf, Eisersdorf und Senkendorf.

Über die Folgezeit berichten uns keine Urkunden, so dass auch die Entstehung von Eisersdorf im Dunkeln liegt.Man weiß nur dass der Bischof von Bamberg für das Gebiet um Kemnath die Herren von Pettendorf-Lengenfeld-Hopfenohe als Vögte ernannte. Als solche waren ihnen der Schutz der Untertanen, die Verwaltung und Rechtsprechung anvertraut. Diese bauten auch vermutlich die Wehranlage der bayerischen Siedler auf Waldeck zu einer festen Burg aus.

Späterer District Eisersdorf: Das Geschlecht der Frankenreuther besaß über fast drei Jahrhunderte den Edelsitz[1]Eyßelsdorff, (in alten Akten fast immer als Eiselsdorf geschrieben).
Thomas Frankenreuther ist 1426 erstgenannter Landsasse aus dieser begüterten Familie. Der Ort war der grundherrlichen Zuständigkeit der einzelnen Anwesen nach schon im 15. Jahrhundert gemengt. Im Saalbuch des kurfürstlichen Amtes Waldeck aus dem Jahre 1497 ist dazu folgender Vermerk eingetragen: „Daselbs sein 9 mannschaften, darunter 7 meinem gnedigen herrn mit frone und scharwerken, die anderen zwen gehören zu den früe- und engelmessen zu Kembnath.“
1534 findet ein Jörg Frankenreuther zu Eyßelsdorff Erwähnung, 1583 ist Michael Frankenreuther Landsasse von Eisersdorf und zwei Jahre später ist von Veit Cristoph von Frankenreuth[2] im Zusammenhang mit dem Landsassengut Eisersdorf die Rede. 1596 umfasste die Anzahl der landesherrlichen Hintersassen 3 Höfe, 3 Güter, 2 Gütel und 1 Mühle.
Paul Christoph von Frankenreuth, einer der frankenreutherischen Erben verkaufte - offenbar im Zuge der Erbaufteilung - 1609 seinem Bruder Hans Mathes von Frankenreuth das bis dahin mit dem Eisersdorfer Besitz verbundene Gut Altensteinreuth, womit die dortige Landsasserei ihren Anfang nahm.
1652 übernahm Hans Mathes von Frankenreuth auch das Eisersdorfer Gut, so dass der ursprüngliche Familienbesitz wieder vereint war. Nur bildete Eisersdorf nicht mehr das frei-eigene Landsassengütl, sondern der namensgebende Sitz beider Gutsbesitze war fortan Altensteinreuth.

Am 19.02.1663 hat Hans Cristoph Pfreimbder auf Bruck (ein Enkel des Hans Mathes von Frankenreuth) das Gut Eisersdorf erworben. Seine Witwe wiederum, Maria Anna Pfreimbder, erteilte 1716 an Georg Heinrich Götz die Vollmacht zur Entgegennahme der Belehnung.

Von den Pfreimbderischen Erben kaufte der kurbayerische Obristwachtmeister von Thyboust 1749 das Gut. Recht lange konnte er sich allerdings nicht seines Besitzes erfreuen, denn bereits 1753 unterzeichnete seine Witwe Maria Juliana geb. Landskron den Lehensrevers. 1764 wird noch einmal ein Mitglied dieser Familie, nämlich Franz Jacob vonThyboust bei der Übernahme des Gutes genannt.

Dann kam im Jahre 1804 das Landsassengut in bürgerliche Hand, indem es Leopold Rösler, Handelsmann und kurfürstlicher Lottoeinnehmer in Kemnath kaufte. Zum Gut (bestehend aus den Gütern Eisersdorf und Altensteinreuth) gehörten zu dieser Zeit 15 Familien mit insgesamt 89 Einwohnern. An Ausstattung zählten neben dem Ökonomiegebäude samt Pächterwohnung, den Stallungen, Hofreit und Schupfen, Felder im Ausmaß von 47 Tagwerk und 4 Waldgrundstücke in einem Umfang von insgesamt 85 Tagwerk. Noch waren die Zehentabgaben in der Weise aufgeteilt, dass dem Stadtpfarrer von Kemnath die Verbindlichkeiten von Eisersdorf, dem Pfarrer von Kulmain 2/3 und der Stadt Kemnath 1/3 von den gutsherrlichen Feldern (beider) Güter zustanden und nur von wenigen Grundstücken der Zehent der Gutsherrschaft selbst gehörte.

Seit 1438 war Kemnath kirchenmäßig ein eigenes Dekanat. Kirchenbucheinträge von Eisersdorf, Pfarrei Kemnath sind verfasst seit 1598.
Ab 1700 war Eisersdorf zugehörig zum Pfarrsprengel Kemnath.[3] Es war ab diesem Jahr auch von der üblich zu entrichtenden Abgabe des Zehent befreit (dieser war sozusagen „verkaufft“). Der Ort hatte dafür an das Pfarramt in Kemnath jährlich 10 fl 30 kr (1 fl = 60 kr, d.h. gesamt = 630 kr) zu bezahlen.

An Haushaltungen waren bereits seit 1747 folgende namentlich erwähnt:
Lindenhof – Traidtbauer – Weiherbauer – Rangerbauer – Kohlhof – Mühlhof –Liesenbauer – Schneiderbauer – Türkenhof – Hackenhaus – Koppenhaus –Weberhäusel.

1817 erfolgte die Umwandlung der Lehensherrschaft in ein bodenzinsiges Eigentum. Der Wert belief sich auf 5773 Gulden (für Altensteinreuth u. Eisersdorf), Begleichung je zur Hälfte in bar und in 4%igen Staatsobligationen. Die nichtallodifizierbare gutsherrliche Gerichtsbarkeit ruhte indes, weil der Gutsherr nicht mehr adelig war. Auch eine Eingabe des Besitznachfolgers Georg Friedrich von Sperl um Wiedererlangung dieser patrimonialgerichtlichen Befugnisse wurde später 1847 vom Staatsministerium abgelehnt.

Die Dorfschaft Eisersdorf zählte um 1817 zum Kastenamt Kemnath, Kulmainer Gezirk. Insgesamt 7 Häuser waren von 43 Seelen bewohnt. An Grundbesitzungen enthält sie 45 Äcker, 14 Wiesen, 2 Waldungen, ein Ödgarten und 1 Wyher. Ihr Vieh besteht in 6 Ochsen, 12 Kühen und 6 Rindern.

Ende des 19. Jahrhundert bestand der Distrikt Eisersdorf aus den Orten Eisersdorf, Neuensteinreuth und Schönreuth sowie den Einöden Anzenberg, Lichtenhof und Schwabeneggaten (zusammen 49 Wohngebäude, 71 Familien, 299 Einwohner). Der Ort Eisersdorf für sich allein war auf 30 Häuser mit 113 Katholiken angewachsen. Im Jahre 1933 umfasste er 171 Menschen, ein auch später nie wieder erreichter Höchststand.

Mit Wirkung vom 01.04.1949 erlosch die quasi Selbstständigkeit, es erfolgte aufgrund behördlicher Verfügung die Eingemeindung zur Kreisstadt Kemnath.

Anwesen Eisersdorf 1
Mit Urkunde Nr. 290 vom 16. Mai 1907 hat Margaretha Schenkl von Johann und Alwin Schenkl das Anwesen samt zugehörigem Tagwerk um 5.500 M übernommen. Laut Ehe- u. Erbvertrag gehörte es ab danach zu gleichen Teilen ihr und ihrem Ehemann Michael Kastner. Der Grund umfasste 11,453 Hektar = 33 Tagwerk. Im Einzelnen:

- Wohnhaus mit Stallung, Stadel u. Hofraum0,052 ha
- Gras- u. Samgarten0,074 ha
- Garten/Rüstacker0,344 ha
- Grabenwiese0,293 ha
- Haidacker2,375 ha
- Naßhüllacker0,480 ha
- Hundsacker0,378 ha
- Hackeracker0,204 ha
- Ödung am Hackeracker0,054 ha
- Dürrwiese0,330 ha
- Dürrwiesacker0,368 ha
- Langacker0,675 ha
- Ödung am Langacker0,068 ha
- vorderer Gartenacker0,276 ha
- Ruhackerl0,276 ha
- hinterer Gartenacker0,238 ha
- Maßweiherwiese2,211 ha
- Fohraholz (Waldung)2,757 ha

Gemäß Erbhöferrolle ist das Bauernanwesen (Hausnamen „Döderl“) seit 1919 dann im Erbe der Bauernfamilie Wöhrl (damals vertreten durch das Ehepaar Josef Wöhrl und Margaretha geb. Schenkl, vww. Kastner). Margaretha brachte es als ihr Witwengut mit in ihre zweite Ehe ein. Deren gemeinsamer ältester Sohn Alois Wöhrl sen., verheiratet mit Anna Gössner aus Altensteinreuth, ererbte zunächst das Anwesen. Die jüngste Hofübergabe erfolgte am 05.03.1990 an Alois Wöhrl junior.

Gez.:
Rolf Erlewein,
Ehemann von Maria Wöhrl (geboren am 26.02.1950 in Eisersdorf, die ältere der beiden Schwester´n des zuletzten Hoferben).


[1] Edelsitz war ein Gutshof (Landsassengut oder Landsasserei genannt) eines (auch bürgerlichen) Adligen, denen auf ihrem Gut die Grundobrigkeit sowie gewisse Gerichtsrechte und Verwaltungsbefugnisse zustanden und zu denen den „Leibeigenen“ die den Grundbesitz bewirtschafteten, Grundholden mit der Verpflichtung zu Abgaben und Scharwerk gehörten.

[2] Das Geschlecht hatte seinen Ursitz im Schlösschen FRANKENREUTH (als die Schedel von Greifenstein) und wurde 1635 von Kaiser Ferdinand II. geadelt. Die Frankenreuther waren übrigens auch Besitzer einer Glashütte in WAIDHAUS.

[3] siehe J. Chr. Arckbauer (Pfarrer von Kemnath) in „Urbarium Pariochale Civitatis Kemnath 1700“, Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg

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Other:Geschichte von Altensteinreuth bei Kemnath
Posted by: Rolf Erlewein on Nov 15 2014 12:56

Die Entstehung des Ortes Altensteinreuth ist etwa um das Jahr 1000 anzunehmen. Die Endung des Namens besagt, dass hier eine Waldrodung vorgenommen wurde, und der Namensteil Altenstein, dass sich die Rodung in der Nähe einer alten Burg oder eines sonstigen Gebäudes befand.

Urkundlich gesichert kann Ende des 14. Jahrhunderts in Altensteinreuth ein Landgut nachgewiesen werden. Das älteste Leuchtenbergische Lehenbuch aus dieser Zeit beinhaltet zwei entsprechende Eintragungen. „Hainrich Amman hat zu Lehen Stainrewt“ und „Fritz Amman hat zu lehen … Altensteinrewt, vier hof mit aller zugehörung und zu dem andern Steinrewt (offensichtlich Neuensteinreuth) was der Perncioe hat gehabt“.

Als adeliger Sitz und damit als Landsassengut lässt sich Altensteinreuth aber erst seit Beginn des 17. Jahrhunderts nachweisen. Bis dahin war es nämlich ein Bestandteil des Landsassengutes Eisersdorf. (Bericht des Landrichteramtes Waldeck vom 6. März 1667: „ … indem gemeltes gut Altensteinreuth, so der landgrafschaft Leuchtenberg zu durchgehendem lehen rührt, kein besonders landsassengut ist, sondern von vielen jahren her als ein gut, so in gefreiter hand gewesen, zum landsassengut Eisersdorf genossen und durch selbigen inhaber in allen ritterdiensten mit vertreten worden.“) Dort wird 1426 mit Thomas Frankenreuther ein Mitglied der bis 1669 hier begüterten Familie genannt. Erst wieder 1534 ist mit Jorg Frankenreuther zu Eyßelsdorff im Landsassenverzeichnis für das Amt Waldeck und in jenem aus dem Jahr 1583 ein Michel Frankenreuther als Landsasse von Eisersdorf genannt.
Nach ihm werden 1585 Veit Christoph von Frankenreuth und 1599 sowie auch noch im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts seine Erben als Inhaber des Gutes – als adeliger Sitz – mit 2 Mannschaften und 1 Hirten verzeichnet. Einer dieser vorgenannten Erben, nämlich Paul Christoph von Frankenreuth verkaufte 1608 seinem Bruder Hans Mathes von Frankenreuth das bis dahin mit dem Eisersdorfer Besitz verbundene Gut Altensteinreuth, samt zugehörigen Weihern und Waldbesitz, womit die dortige Landsasserei ihren Anfang nahm. Er blieb dann, da er 1628 zur katholischen Kirche übertrat, bis nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges Gutsherr auf Altensteinreuth. Der Besitz beschränkte sich auf den Gutshof und den dazugehörigen Liegenschaften ohne „gutsherrliche Hintersassen“ (d.h. „er hat sonst kein unterthan noch inwohner“.) 1652 übernahm Hans Mathes von Frankenreuth auch wieder das Eisersdorfer Gut, so dass der ursprüngliche Familienbesitz wieder vereint war. Nur bildete Eisersdorf nicht mehr das frei-eigene Landsassengütl, sondern der namensgebende Sitz beider Gutsbesitze war künftig Altensteinreuth.
Noch vor seinem Tode übereignete Hans Mathes von Frankenreuth am 20. Juni 1663 das Gut Altensteinreuth seinem Enkel Hans Christoph Pfreimder auf Bruck, der noch 1702 dort genannt wird. Ihm folgte seine Witwe Maria Anna Pfreimder, die 1716 namens ihrer vier Kinder an Georg Heinrich Götz eine Vollmacht zur Entgegennahme der Belehnung erteilte.
Von den Pfreimderischen Erben kaufte 1749 der kurbayerische Obristwachtmeister von Thyboust das Gut. Recht lange konnte er sich allerdings nicht seines Besitzes erfreuen, denn bereits 1753 unterzeichnete seine Witwe Maria Juliana geb. Landskron den Lehensrevers. 1764 wird noch einmal ein Mitglied dieser Familie, nämlich Franz Jacob von Thyboust (zuletzt kurfürstlicher Generalmajor und 2. Chef des Generalauditoriates zu München) bei der Übernahme des Gutes genannt.

Die Frankenreuther waren also bis 1663 – die Pfreimder von 1663-1749 – und die Thyboust von 1749-1804 die Gutsbesitzer). Danach kam im Jahr 1804 das bis dahin leuchtenbergische durchgehende Söhne- und Töchterlehen und zugleich oberpfälzische Landsassengut in bürgerliche Hände, indem es Leopold Rösler, Handelsmann und kurfürstlicher Lottoeinnehmer in Kemnath kaufte. Durch eine Eingabe zur Wiedererlangung der patrimonialgerichtlichen Befugnisse konnte auch der Besitznachfolger von Rössler ermittelt werden, nämlich Georg Friedrich von Sperl. Aus Kostengründen geschah die Umwandlung der Lehens-liegenschaft in ein bodenzinsiges Eigentum. Mit der Übereignungsurkunde vom 31. Dezember 1817 wurde die Ablösung der Lehenseigenschaft noch unter Leopold Rössler vollzogen.

Zum Gut gehörten damals in der Ortschaft Altensteinreuth 8 beständige und 2 sonstige Familien und in dem inzwischen allodial gewordenen Ort Eisersdorf, der jetzt als ein Bestandteil des Gutes Altensteinreuth galt, 7 beständige und 1 unbeständige Familie, zusammen insgesamt 89 Einwohner. Neben Ökonomiegebäuden samt Pächterwohnung gehörten dazu Stallungen, Hofreit und Schupfen, 47 Tagwerk Felder, 46 Tagwerk Wiesen, 28 Tagwerk Weiher und 4 Waldgrundstücke mit 85 Tagwerk. Noch waren die Zehentabgaben in der Weise aufgeteilt, dass dem Stadtpfarrer von Kemnath die Verbindlichkeiten von Eisersdorf, dem Pfarrer von Kulmain 2/3 und der Stadt Kemnath 1/3 (davon wiederum 2/3 an den Bürgermeister und Rat und 1/3 der dortigen Frühmesse) von den gutsherrlichen Feldern Altensteinreuth zustanden und nur von wenigen Grundstücken der Zehent der Gutsherrschaft selbst gebührte.

Das Aussehen des Wohnhauses des Lehensherrn und dessen genauer Standort kann heute nicht mehr festgestellt werden. Im Herdstättenbuch von 1762 wird jedenfalls von einem Schloss mit Pächter gesprochen.

Eisersdorf und Altensteinreuth gehörten ab 1509 zum Kulmainer Gezirk. Im Jahre 1808 lag Altensteinreuth im Gemeinde- und Steuerbezirk Zinst. Wegen seiner Untertätigkeit unter das Rittergut von Cammerloher in Schönreuth gehörte es früher zum Gemeinde- und Steuerbezirk District Eisersdorf. Aber schon 1824 wird Altensteinreuth als zur unmittelbaren Landgemeinde Zinst und zum Steuerdistrikt gleichen Namens gehörig, gemeinsam mit Rothenhof und Unterwappenöst genannt. Die Gemeinde Zinst und damit Altensteinreuth wurde im Jahre 1972 in die Gemeinde Kulmain eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Altensteinreuth:
1824 9 Wohngebäude 9 Familien 48 Einwohner
1860 9 Wohngebäude 9 Familien 53 Einwohner
1961 13 Wohngebäude 15 Familien 78 Einwohner
1982 20 Wohngebäude 29 Familien 98 Einwohner
1985 22 Wohngebäude 31 Familien 108 Einwohner

Die Ortschaft gehörte nach den Aufzeichnungen im Urbarium der Pfarrei Kulmain aus dem Jahre 1761 schon immer zur Pfarrei Kulmain. Bis zur Auflösung der Volksschule Neuenreuth wurden aber die Kinder von den Religionslehrern aus Kemnath unterrichtet. Sie gingen zusammen mit den Kindern der Pfarrei Kemnath, in Kemnath zur 1. Hl. Kommunion und wurden auch in Kemnath gefirmt.

Bis 1862 gingen die Kinder nach Oberwappenöst zur Schule, dann wurden sie nach Neuensteinreuth eingeschult. Der Schulsprengel setzte sich zusammen aus dem Dorf Neuensteinreuth (70 Einwohner), dem Weiler Altensteinreuth (58 Einwohner), der Einöde Anzenberg (13 Einwohner), der Einöde Armesberg (5 Einwohner), dem Weiler Godas (92 Einwohner), der Einöde Lichtenhof (11 Einwohner) und dem Dorf Schönreuth (127 Einwohner). Während der kriegsbedingten Schließung der Schule (1942-1946) in Neuensteinreuth und nach der Auflösung derer in 1966 ist Kulmain seither neuer Schulort.

An Anwesen in Altensteinreuth gab es 1842 insgesamt neun an Zahl. Die HausNr. 9 war das eigentliche Gut, dass Familie Rössler 1804 von den Thyboust´s für 13.000 fl zuzüglich 1.000 fl für Inventar erkauft hatte. Einer der übrigen acht Hausbesitzer war Baptist Gößner,beim Amsel“, der 1816 von seinem Vater Johann Goeßner dessen Anwesen um 450 fl übernommen hat. Als Anwesenbesitzer war er berechtigt 1 Kuh und 1 Kalb mit der gutsherrlichen Herde austreiben zu dürfen. Wollte er mehr Vieh austreiben, so hatte er an die Gutsherrschaft für eine Kuh 30 kr (Kreuzer = ½ Gulden) und für ein Kalb 15 kr als Weidegeld zu entrichten. Ein Georg Müller, „beim Schneidergörgl“ hat 1841 von Johann Gößner ein weiteres Anwesen für 1.315 fl erkauft. D.h. Johann Gößner muss mindestens zwei Anwesen besessen haben, zu damaliger Zeit jedenfalls doch einigermaßen begütert.

An Altensteinreuther Verehelichungen im 19. Jahrhundert waren u.a. zu verzeichnen:
- 26.08.1816Baptist Gößner & Anna Katharina Pötzl aus Gabellohe
- 19.07.1852Johann Gößner & Anna Maria Schmid aus Grafenwöhr
- 19.01.1856Maria Anna Gößner & Johann Schmid beide aus Altensteinreuth
- 28.04.1885Joseph Gößner & Maria Haßmann aus Tressau

(Die genannten Gößner´s waren allesamt Vorfahren meiner Schwiegermutter Anna Wöhrl geb. Gössner, geboren am 26.07.1928 in Altensteinreuth.)

Gez: Rolf Erlewein am 18.09.2013,
Ehemann von Maria geb. Wöhrl aus Eisersdorf

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Other:Geschichte zu den Murgtäler Flößern
Posted by: Rolf Erlewein on Nov 15 2014 12:15

„Die Murgtäler Flößer sin Kerle wie´d Boim,
tag´s tän se schaffe, un nachts gehen se net hoim!“

Es ist viel überliefert über die Geschichte der Murgschifferschaft, aber nur leider wenig über die Flößer selbst. Die Anfänge der Rheinflößerei, deren Holz vor allem wohl aus dem Nordschwarzwald kam, sind auf spätestens Ende des 12. Jh. anzusetzen. Urkundlich nachgewiesen ist jedenfalls, dass in Loffenau schon im 13. Jh. das Handwerk der Flößerei betrieben wird. Wahrscheinlich benutzten die Loffenauer dafür den Laufbach, der bei Hörden, dem späteren Stapelplatz der Murgflößerei, in die Murg mündet.

In der Flößereiordnung von 1488 werden Murg- und Rheinknechte getrennt erwähnt. Die Murgknechte unterteilen sich in Waldflößer, Wiedenmacher, Waldhauer und Ochsener. Aufgabe der Murgknechte war es, das Holz zu schlagen und als Einzelstämme an die Sägemühlen zu transportieren wo es zu verschiedenen Holzborten (Balken, Sparren, Bretter) gesägt wurde. Das Holz triften sie von der Einwurfstelle ins Wasser bis zu den Holzfängen und Sägemühlen. Mit Floßstangen lenken sie es vom Ufer aus und ziehen es am Ziel an Land. Die Rheinknechte banden dann das Holz auf den Sägemühlen zu „Scharen“ ein und flößten diese Scharen zunächst bis hinunter nach Rheinau (bei Rastatt), später bis Steinmauern (an der Murgmündung gelegen), wo man die größeren Rheinflöße zusammenstellte. Die Rheinknechte kamen ursprünglich nur aus Hörden und Ottenau. Ab Steinmauern wurde jedes Rheinfloß für die Rheinfahrt dann zudem je zur Hälfte mit Flößern von dort verstärkt.

Der Holzfang an der Hördener Eßzell war gleichzeitig die Zollstation (zwischen ebersteinisch- und markgräflichem Gebiet) für alle murgabwärts schwimmenden Holzflöße. Die Hölzer der „Wildflößerei“ wurden hier am Absperr-Rechen „zur Kontrolle aufgefangen“. Hölzer, denen das Schifferschaftszeichen eingehauen war, wurden an Land gezogen, je nach vorgesehener „Kast´scher“ Verwendung in den Hördener Sägemühlen zugesägt und zu Scharen (eine Schar umfasste bis zu 900 Borte) zusammengebunden. Gebundene Hölzer, die bereits als fertige Flöße anschwammen, wurden aufgerissen, weil es zur Tagesordnung der oberen Murgflößer gehörte, sich durch „Höckerei“ (Schleichhandel) ein kleines Taschengeld zu verdienen. Inmitten ihrer in Weisenbach eingebundenen Flöße waren sogenannte Kammern eingebaut, in welchen Obertsroter Huf- und Schuhnägel, Heselbacher Schmiere, Langenbrander Küchenbrettle und anderes mehr versteckt waren. Da auch diese Waren dem Kast´schen Zollrecht unterworfen waren, kamen sie als verzollte Ware teurer, als die aus dem Kinzigtal im Rheinland oder in Holland abgesetzte. Mit besonderem Vergnügen rissen die Hördener Floßknechte und Löhner die Flöße auf, um sie auf Höckerware zu untersuchen. Nach der Kontrolle wurden diese wieder neu eingebunden. Nur Flöße der Hauptschiffer ließ man auf Treu und Glauben ungeschoren passieren.

Zum (erneuten) Einbinden der Flöße benötigte man kurze Holzpflöcklinge in Kegelform, um die die Einbindwieden geschlungen wurden.In großen Haufen waren diese Wiedenpflöcklinge oder Flotzkegel auf der (heutigen) Essel aufgeschichtet. Die Männer, die sie einhieben, wurden in der Flößersprache Flotzkegler genannt – aus welcher Bezeichnung für die Hördener der Ortsneckname „Flotzkegel“ geworden ist. Und wer sich heute noch als echter Hördener fühlt, den kann dieser Namen noch immer wenig anfechten, ist es doch weniger eine Verspottung als eine gutmütige Äußerung und Erinnern an die gute alte Zeit. Wenn aber ein „Fremmerdie Hördener „Schwobb“ heißen will, dann werden sie heute noch ecklig und mucken auf!

Die genauen Maße aller Flöße auf der Murg waren „floßamtlich“ festgelegt und betrugen 27 Meter für die Länge, 2,5 – 3,0 Meter für die Breite. Jedes Floß bestand aus mehreren Gliedern oder Gestörren, die mittels Haselwieden eingebunden waren. Jedes Floß hatte im oberen Murgtal zwei Mann Besatzung, die Fahrt ab Hörden nach Steinmauern wurde mit einem Mann fortgesetzt. War jetzt die Fahrt weniger mit Schwierigkeiten verbunden, so war dies auf der Fahrt durch das hintere Tal schon etwas anders. Die Wehre im Tal mussten von den Flößern selber geöffnet und wieder geschlossen werden. Es musste stets der genaue Floßweg eingehalten werden, der von den sogenannten Murgrunern offen gehalten wurde. An der Freihaltung der Floßgasse musste das ganze Jahr hindurch gearbeitet werden. – Man bedenke, dass das Hochwasser viel Geröll und Steine mitbrachte und nicht selten die Floßgasse völlig vernichtete.

Seit 1544 mussten die Schiffer übrigens bei einer Holzlieferung nach Steinmauern dort einen „Nachtimbiß“ geben, für die Ottenauer im „Anker“ und für die Hördener in der „Sonne“. Um dieses Essen entwickelte sich 1566 dann der erste wilde Streik in der Region, denn die Flößer verlangten von den Schiffern ein besseres Abendessen, wobei - so die Chronik - die Wirte in Steinmauern „schlagkräftig“ auf diese Forderung hingewiesen wurden. Der Amtmann von Kuppenheim berichtet zudem, dass die „Knechte ganz verwöhnt seien im Essen und Trinken“. Kalten Braten hätten sie nicht angenommen, sondern warmen haben wollen. Sie hätten „dermaßen getrunken, daß man schier mit ihnen uffstoßen könnte“ und „jeder hat den anderen übertreffen wollen“. Er habe sich selbst gewundert, was die Flößer alles vertragen konnten. Indessen forderten die Flößer „eine gute suppe mit gemüß, fleischkost, käse und brot, was aber nicht genüge, sondern ein voressen und bratens auch dazu“. Im folgenden Schlichtungsversuch wird ausdrücklich erwähnt, dass man den Flößern nicht mehr Geld geben soll, weil sie es vertrinken und nichts heimbringen! Mit der Drohung, die Flöße einzuziehen, sie zu „verwahren“ konnte dieser erste Streik niedergeschlagen werden und mit dem Läuten der Steinmaurer Kirchenglocke ging es wieder zurück an die Arbeit. Für die kurze Fahrt nach Steinmauern nahm der Flößer zudem in seinem Brotsack (=Zwerchsack) Backsteinkäse und Brot mit. Der Schiffer hatte darüber für die Getränke aufzukommen.

1583 trat Markgraf Christoph von Baden, der das staatliche Monopol liebte, mit einem Plan nach Zentralisierung der Holzwirtschaft auf und setzte Jakob Kast als alleinigen Haupthändler ein. Alles in Gemeinschaft mit dem Markgrafen verflößte Holz war badisch zollfrei, was zur Folge hatte, dass die einzelnen Holzhändler an Kast verkaufen mussten, der nunmehr den Holzhandel in alleiniger Herrschaft betrieb und zum Hauptschiffer der „Murgschifferschaft“ emporstieg.
Die Murgschifferschaft war im Rheintal für lange Zeit im Holzgeschäft eine der mächtigsten und angesehensten Organisationen. Sie beobachtete den Holzmarkt sehr genau und legte danach die eigenen Fördermengen fest. So wurde verhindert,dass durch ein Überangebot die Preise verfielen. Auf dem Oberrhein hatte wegen dieser abgestimmten Preispolitik der Murgtäler Holzhandel eine vorherrschende Stellung, an dessen Entscheidungen keine andere Holzhandelsorganisation vorbei kam. Folglich war sie eine von der Konkurrenz gefürchtete Vereinigung. Sie besaß aber auch ein allgemein hohes Ansehen wegen der strengen Qualitäts- und Maßeinhaltungskontrollen, die sie bei den eigenen Mitgliedern durchführte und auf die sich die Holzkäufer verlassen konnten. Anfangs war im Fernhandel nur bearbeitetes Holz gefragt, vor allem Schnittware aus Tannen, wie Balken, Bretter, Bohlen und Schindeln. Durch den Handel mit geschnittenem Holz kamen einige Familien im Murgtal zu großem Reichtum, insbesondere die Familie Kast aus Hörden und Katz aus Gernsbach, die Jahrhunderte lang die Geschäfte der Murgschifferschaft mitbestimmten. Vor diesem Hintergrund, der großen Kluft zwischen arm und reich, fand Wilhelm Hauff später auch den Stoff für seine Erzählung „Das kalte Herz“ mit dem armen Kohlenmunk-Peter und dem reichen Holländer-Michel.

Einblick in die Flößerei jener Zeit geben Jahresrechnungen von 1588. In diesem Jahr kaufte der Hauptschiffer Kast von 21 Händlern Holz ein und führte 12 Fahrten den Rhein hinunter durch. Die Ausgaben (für Holz, Löhne, Küchenkosten, Flößerzubehör, Zoll und übrige Verbrauchkosten) beliefen sich dabei je Fahrt auf durchschnittlich 31.000 Gulden, an Einnahmen konnte Kast 36.000 Gulden verbuchen.

Das Rheinfloß das in Steinmauern aufgebaut wurde war 70-90 Meter lang, 12 Meter breit und bis 1,5 Meter tief. Für das Material mussten zuvor erstmal 25 Murgflöße an den Einbindeplatz bei Steinmauern gebracht werden. Auf dem Floß befindet sich eine Bretterhütte als Schutz gegen Regen und Hitze, sowie zum Kochen, Essen und Schlafen. Die Schifferordnung schrieb vor, auf je 1.500 Borte war einen Knecht mitzunehmen. Aus der Anzahl der Knechte lässt sich daher auf die genaue Größe der Flöße schließen. So hat Jakob Kast auf seinen Rheinfahrten Ende des 16. Jh. je Floß zwischen sechs bis 84 Knechte eingestellt. Dies würde einer Anzahl von etwa 8.000 bis 125.000 Borte je Floß entsprechen, eine gewaltige Menge.

Wenn alles normal verlief brauchte man zwei Tage bis nach Mannheim und drei bis vier Tage bis nach Worms. In Hördt, Germersheim, Sandhofen, Mannheim, Mainz und Bingen hatte Jakob Kast eigene Holzverkaufsplätze eingerichtet. Auf diesen Märkten nahm er auch Waren als Bezahlung an und begann mit Eisenwaren, Tuch und Salz einen Handel im Murgtal. Seine Handelsbeziehungen weitete er auch rheinaufwärts aus, kaufte in Straßburg „Kinzigholz“ und verflößte es gleichfalls den Rhein hinunter.

Sammelplatz aller „Schwarzwaldflöße“ war für gewöhnlich Mannheim, wo dann größere Rheinflöße mit bis zu 250 Floßknechten für die Weiterfahrt über den Mittelrhein zusammengestellt wurden. Sie sind etwa 250 Meter lang, 15-20 Meter breit und 1 Meter tief. Vorne werden 20, hinten 30 Ruderstreiche eingerichtet.

Auf dem Floß hatte der Steuermann die volle Verantwortung über das schwimmende Gut. Er gab auch die Befehle ab, welche unbedingt befolgt werden mussten. Das Kommando beim Fahren betraf nur die beiden Wendungen: Nach links oder nach rechts fahren. Für links hieß es „Frankreich“, für rechts „Hessenland“. Die Zeichen gab er mit der Hand, da eine andere Verständigung nicht möglich war. Am vorderen und hinteren Ende befinden sich aus starken Tannen gefertigte, 15 bis 18 Meter lange Ruder, die „Ruderstreiche“ zum Lenken. An jeder Streiche arbeiten fünf Männer.
Bevor die Flöße abgingen, fuhr ein Flößer mit einem kleinen Floß voraus: das war die „Wahrschau“. Dessen Aufgabe bestand darin, allen Brücken zu melden, dass Flöße nachkommen. Als Entlohnung wurde dem „Wahrschauer“ pro Floß und Brücke 12 Kreuzer badisches Geld bezahlt.Zudem fuhr auf dem Rhein der sogenannte „Rheinknecht“ mit. Er hatte Sorge zu tragen, dass Holz und Waren richtig abgeliefert wurden und er kassierte das Geld. Der Betrag, oft ansehnliche Summen, wurde in Gulden, Kreuzer oder in neuerer Zeit in Papiergeld ausbezahlt. Das Geld wurde dann in einen Weizensack gepackt und auf dem Rücken der Flößerstange getragen. Abends fuhr man zum Nächtigen in der Regel an Land, wo besondere Anlegeplätze waren. Bevor man sich zur Ruhe legte, wurde die Stadt oder das Dorf, vor welchem man angelegt hatte, besichtigt, damit man auch zuhause etwas zu „verzähle“ hatte. Dabei wurde nicht selten in den Wirtschaften mit schweren Flößerstiefeln getanzt. Am anderen Morgen in aller Frühe ging´s weiter – rheinabwärts, bis zur Endstation, wo das Floß „übernommen“ wurde.
Die Rückreise erfolgte per Schiff bis Steinmauern, die letzten Jahre mit der Eisenbahn bis nach Rastatt und von dort ging es wie von Anfang der Flößerei an üblich, die letzten Kilometer gut 20 Kilometer auf Schusters Rappen nach Hause. Zuhause saß die Frau mit einer Vielzahl Kinder, und wenn sie nicht noch Landwirtschaft betrieben, dann reichte es nicht aus, die Familie zu ernähren. Man aß Kartoffeln, trank Milch und das Schwein, das man aufzog, musste verkauft werden; das heißt - reich konnte man als Flößer jedenfalls nicht werden. Ein Knecht der auf der Murg beim Einbinden der Barte hilft erhält 1 Batzen Pfennig Taglohn. Der Knecht hingegen, der eine Schar zum Rhein flößen kann erhält für das Einbinden 15 Batzen Pfennig Taglohn und wenn er dann auch noch flößt weitere 18 Batzen Pfennig Taglohn für die Kost. Auf dem Rhein sind die Löhne nach Entfernung der einzelnen Marktorte gestaffelt. Sie schwanken von 10 Batzen Pfennig nach Germersheim bis2 Gulden 10 Batzen Pfennig nach Bingen. Der Steuermann auf dem Rhein erhielt übrigens dendoppelten Knechtslohn. Will ein Schiffer über „Bingen hinab ins gebürg“, also zum Mittelrhein flößen, dann sind nach der Schifferordnung Steuerleute und Knechte nicht verpflichtet, mitzufahren.

Zwischen St. Gallustag (16. Oktober) und acht Tage nach Ostern, sowie an Sonn- und Feiertagen ruht die Flößerei auf Murg und Rhein. Für das Flößen werden zeitlich vier Fahrtzeiten festgelegt und zwar von:
Montag nach der Osterwoche bis 14 Tage danach, Drei Wochen vor Pfingsten bis 14 Tage danach, nächster Markttag nach St. Jakobstag (25. Juli) bis einschließlich St. Bartholomäustag (24. August), nächster Markttag nach dem Heiligen Kreuzerhöhungstag (19. September) bis einschließlich St. Gallustag (16. Oktober).

Gewöhnlich verführt ein Rheinschiffer in jeder Fahrtzeit nur ein Floß. Bringt er aber gleichzeitig zwei Flöße auf den Rhein muss er beide an den gleichen Markt führen und auch dort verkaufen. Anfänglich werden vor allem die Kurpfalz und Speyer beliefert, dann wird Mainz der Hauptmarkt. Mit dieser Regelung grenzen sich die Interessen- und Einflusssphären der damaligen Schiffergesellschaften gegeneinander ab. Der Holzhandel der Murgschiffer über Bingen hinaus war bis Mitte 18. Jahrhundert die Ausnahme und boomte erst danach über wenige Jahrzehnte im Zuge des Hollandhandels, den die Murgschifferschaft jedoch auf Dauer den vermögenderen großen Handelsgesellschaften überlassen musste.

Im übrigen ist die Strecke von Bingen nach Koblenz wegen der vielen Stromschnellen gefährlich, man braucht fremde Steuerleute, kennt den Markt nicht, zudem sind die Zölle ungewohnt. So hält am Rhein ca. alle 15 km eine Zollstation den Warenverkehr auf, 1618 gibt es dort allein 60 Zollstationen.

Der oft als so schön besungene Rhein war für die Floßführer stets unberechenbar. Strömungs- und Witterungsbedingungen und die geringe Manövrierfähigkeit eines Rheinfloßes waren eine ständige Herausforderung. War ein Floß einmal in Bewegung, konnte es nur schwer angehalten werden. Die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit auf der Strecke zwischen Mainz und Koblenz wurde mit 8-9 km/h angegeben, das liegt über der Fließgeschwindigkeit des Wassers von etwa 6 km/h.Ein Floß musste in seichte Ufergewässer gesteuert werden, um dort vor Anker zu gehen. Flussbiegungen und Engstellen, wie etwa am Mittelrhein die Durchfahrt beim „Binger Loch“, erschwerten die Schifffahrt ohnehin. In Lorch mussten Untiefen und Riffe und Seitenwinde überwunden werden. Bis zur Moselmündung folgten im Strom liegende Felsen, die scharfe Krümmung bei Bacherach und der engste Stromabschnitt, das sogenannte „Bett“. Den vorläufigen Abschluss bildete die „Bank“ bei St. Goar, wo plötzliches Gefälle das Floß ins Wasser eintauchte. Der nach der Moselmündung folgende Streckenabschnitt bis nach Hitdorf war vergleichsweise harmlos. Hier waren die Hindernisse eher von Menschenhand geschaffen, wie etwa Rheinmühlen, Fähren und Brücken. Geringe Strömung, ausreichende Strombreite, ein geschütztes hohes Ufer und guter Ankergrund mussten zur abendlichen Anlandung vorhanden sein. Wenn dabei das Manöver der Landung aus irgendwelchen Gründen schief ging, vergingen Stunden bis ein anderer geeigneter Ankergrund in Sicht kam. In Hitdorf landeten übrigens noch bis 1968 gewerbliche Flöße im Hafen. Heute befinden sich dort die Stege des Leverkusener Segelclubs.

Da die Rheinflößerei lediglich von Ostern bis Oktober erfolgte, ist es wohl auch eine Legende, dass die Flößer rheinische Karnevalselemente in das Murgtal brachten. In der Hördener Fastnacht hat sich eher das wenig redselige Verhalten der Flößer erhalten. Die Hördener seien, man möge es alten Chronisten nachsehen, in ihrer Fastnacht keine Marktschreier, kein Draufgänger, vielmehr können sie, wenn es Arbeit gibt, hart anpacken, sind eher hintersinnig-bedächtig und erst wenn der Wein die Zunge gelockert hat, ist einiges zu hören. Und was den Hunger und Durst betrifft, wird im Zusammenhang an ein kleines Zwiegespräch im „Großen Rat“ erinnert. Dort wurde festgestellt, … „daß man auch etwas mitbringen müsse, wenn man schon Mitglied des Großen Rates ist“. Als Antwort hieß es: „Ja, die meisten bringen Hunger und Durst mit!“ So gesehen sind die meisten Hördener wahre Nachfolger der Flößer.

Blütezeiten der Flößerei waren das 15. und 16. Jahrhundert. Nach Einbruch im 30-jährigen Krieg gab es seit der 2. Hälfte des 17 Jh., als die Macht- und Handelsverhältnisse in Europa neu geordnet und insbesondere die Niederlande zu einer beherrschenden See- u. Kolonialmacht herangewachsen waren, allmählich eine neue Blüte. Während bis dahin das Schwarzwälder Holz meist nicht über den Mittelrhein hinaus kam, werden nunmehr insbesondere starke Tannen und Fichten begehrt nach Holland verfrachtet. Bei Koblenz und Andernach hat man für die eigentliche Hollandfahrt sogenannte Hauptflöße gebaut, deren Ausmaße bis zu 350 Meter Länge 60 Meter Breite und einen Tiefgang von etwa 2 Meter betrugen, je nach der Bestellung des Empfängers. Teilweise glichen dieseHollandflöße „schwimmenden Inseln“ die etwa 28.000 Festmeter Rundholz umfassten und mit mehr als 500 Floßknechten an Besatzung. Je zweimal im Jahr brachten die „Großen“ Handelsgesellschaften ein solches Floß auf den Markt, wobei bis zu dessen völligem Verkauf oft mehrere Jahre vergehen konnten.

Die riesige Holzmasse, die weit länger und breiter als die heutigen Schubverbände war, musste mit Menschenkraft um die vielen scharfen Krümmungen des Stroms herumgeführt werden. Das ungefügte Floß durfte noch weniger als ein Schiff am Ufer oder an Sand- und Felsbänken anstoßen, weil es ja kein starres Gebilde war und leicht auseinanderbrechen konnte. An den Schmalseiten vorne und hinten standen daher Ruderknechte in langer Reihe, die auf Kommando der auf hohen Steuerstühlen sitzenden Steuermänner das Floß in die erforderliche Richtung lenkten und zwar standen an jedem der 16-20 Streichesieben Ruderer. Außerdem war ein Teil des Floßes in ganzer Breite als Steuer eingerichtet. Zwei oder drei kurze Floßstücke, die sogenannte Kniee, konnte mit Hilfe von Winden, Seilen und großen Bäumen schräg zur Achse des Haupt- oder Steifstücks gestellt werden. So half diese „Schlenkerung“, ohne Anstoß durch scharfe Krümmungen zu kommen. Dies nicht genug, standen 16-20 Ankernachen, je mit sieben Mann besetzt, ständig bereit, in scharfen Krümmungen Anker quer zur Fahrtrichtung an der Innenseite auszubringen, so dass das Floß von der Strömung herumgedreht, nicht an der Außenseite („am Hamm“) auffahren konnte.

Für Proviant und Verpflegung der Flößer wurden zudem spezielle „Küchenschiffe“ benötigt, da die Reise bis hinauf nach Holland doch bis zu mehrere Wochen dauerte. Bis zu fünf lebende Ochsen hatte man daher dabei sowie Schweine, die unterwegs geschlachtet und gebraten wurden. Dazu wurde jede Menge Fleisch gebunkert, weil anders als zu Hause gab es täglich davon zu essen. Tonnen an Brot und Hektoliter Bier wurden benötigt. Ein Pfund Fleisch und fünf Liter Bier waren jedenfalls die Tagesration für einen Floßknecht. Das alles beförderte das Rheinfloß neben der vielen Handelsware. Diese bestand zunächst natürlich aus Scheiter- und Schnittholz, Brettern und Balken sowie den Eichenstämmen, aber auch aus landwirtschaftlichen und handwerklichen Produkten, Wein, Töpferei und Textilien.

Die Flößerei brachte auch viele Probleme und Gefahren mit sich. Es war nicht immer leicht, auf einem Floß zu leben und zu arbeiten. Die Arbeit war sehr kraftraubend und der Flößer wusste nie, ob er heil zu seiner Familie zurückkehren konnte. Je nach Zielort und Länge der Strecke verbrachten die Männer einige Tage bis mehrere Wochen auf dem Floß. Sie waren jeder Witterung ausgesetzt, egal ob Sonne oder Regen, Hitze oder Kälte. Es musste unabhängig davon gearbeitet werden, denn nur wenn die Aufträge zügig und vollständig erledigt wurden, konnte auch dementsprechend entlohnt werden. Sie waren während der Reisen Tag und Nacht dem Wetter ausgesetzt und mussten nachts in ihren primitiven Holzverschlägen ruhen, egal ob im Sommer brütende Hitze herrschte oder es in den Frühlings- und Herbstmonaten morgens und abends schon sehr kalt war. Diese Strapazen allein, und kraftraubende Arbeit, die die Flößer jeden Tag auf sich nehmen mussten, war der Grund dafür, dass viele Männer nicht sehr alt wurden oder krankheitsbedingt in der Flößerei nicht mehr tätig sein konnten. Und so mancher Floßunfall machte viele zu Krüppeln, wenn sie nicht gar, wenn auch selten, tödlich verliefen. Ein weiteres Problem entstand bei der Heimreise, vor allem in der Anfangszeit der Berufsflößerei, als es noch keinerlei weitere Transportmöglichkeiten gab. So waren die Männer meist Wochen zu Fuß unterwegs. Die Wintermonate brachten den Flößern zudem keine Arbeit, denn auf zugefrorenem Fluss konnte nicht geflößt werden, und auch die Waldarbeit war nicht immer möglich. Somit waren die Männer mehrere Monate arbeitslos, falls sie keine andere Erwerbsquelle gefunden hatten. Durch die oft wochen- und monatelange Abwesenheit der Männer waren die Familien auch vollkommen auf sich allein gestellt. Die Frauen mussten sich um Erziehung, Bewirtschaftung der Felder und den Haushalt kümmern. Die Kinder wuchsen einen Großteil ihrer Kinderjahre ohne Vater auf. Trotzdem entschloss sich ein Flößersohn selten zu einem anderen Beruf als dem des Vaters. Es wurde ihnen quasi in die Wiege gelegt, was sie später werden würden, viele andere Berufschancen gab es eh nicht. Zur Freude der Väter übten sich schon die Kleinsten mit dem Floßhaken auf dem Wasser. Für die Jungen damals war ein Floßhaken, was für die Kinder heute ein Fahrrad oder eine Playstation ist.

Aber die französische Revolution und die Napoleonischen Kriege wirkten geradezu verheerend auf die sich wieder anwachsenden Geschäfte der Schifferschaft. Der Holzhandel lag in diesen Zeiten fast wieder völlig danieder und kam danach, zu-mindestens was die Murgschifferschaft betrifft, nie wieder auf diese „Hoch-Zeiten“. Finanzkräftige Gesellschaften, vornehmlich aus Württemberg, drängten die Murgschiffer aus dem Geschäft. Die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse taten ihr übriges. Der Landtransport von Holz nimmt daher ständig zu, während die Flößerei laufend an Bedeutung verliert. Zunehmend kommt es auch zu Auseinandersetzungen zwischen der aufkommenden Industrie und der Flößerei, da der Wassertransport des Holzes die gewerbliche Nutzung der verfügbaren Wasserkräfte erschwert, wenn nicht sogar unmöglich macht. An der Murg entstehen neue Gewerbe- und Industriebetriebe, wie Eisen- und Hammerwerke, Papier- und Pappefabriken, Holzschleifereien, Säge- und Mahlmühlen, die das Wasser für ihre Zwecke nutzen, während die Floße durchfahren wollen. Es wird immer offenkundiger, dass die Flößerei dem Industriezeitalter weichen muss.

Im Frühjahr 1896 fuhren die letzten Flößer der Murgschifferschaft murgabwärts. Danach wurde die Flößerei nur noch von wenigen kleinen Firmen betrieben. Seit 1913 ruht die Flößerei dann vollständig, formell wird sie aber erst am 25.09.1923 durch einen Erlass des badischen Arbeitsministers aufgehoben und untersagt.

Der Verein für Heimatgeschichte Hörden e.V. führt seit 2001 das Museum Haus Kast in Gaggenau, Stadtteil Hörden. Es sind schöne Geschichten, die das Kast´sche Haus in Hörden zu erzählen weiß. Sie handeln von einer längst vergangenen Zeit, als das Leben entbehrungsreich war und lange Baumstämme zu großen Flößen gebunden, die Murg über den Rhein bis nach Holland abwärts fuhren. Erzählt wird aber auch allerhand Interessantes und Kurioses zur Heimatgeschichte, der Verbundenheit der Bewohner mit dem Wald und der eindrucksvollen Flößergeschichte, die Hörden und das Murgtal einst zu einer Hochburg für Kultur und Kapital machte.
Alte Fotografien und Zeichnungen veranschaulichen den Alltag der Flößerfamilien und authentische Dokumente belegen, wie und womit in der Vergangenheit Handel betrieben wurde. Das Wissen der Mitglieder um das Flößerdorf ist enorm und so können alle gleichermaßen mit den Geschichten der Vorväter begeistern und Geschichte zum Leben erwecken.

Appropos Brauchtum
Das Murgtal war ehemals markt- und verkehrsfern. Bauern, Schiffer u. Flößer, Fischer u. Holzmacher, Fuhrleute u. Taglöhner werkten durch ihre Tage und hielten ziemlich zäh an ihrem Brauchtum fest, das wenig fremde Einflüsse hereinkamen.
In Hörden brennt man noch Scheibenfeuer ab, als einziger Gemeinde im Murgtal. Es wird drei Wochen vor Fasnacht wöchentlich dreimal Scheiben geschlagen, und zwar war dies im 20. Jahrhundert ein Vorrecht der Rekruten, dem inneren Sinn nach das alte Recht der mannbaren Jugend fortsetzend.
In vielen Orten des Murgtals, aus Hörden war es besonders bekannt, wurden am 1. Mai die Brunnen bekränzt. Auch den Mädchen wurden Maien gestellt oder geschenkt, dagegen den missliebigen Sägemehl vors Haus gestreut.
Als man noch im Winter am Spinnrad saß, war das „Stubengehen“ im Brauch, und vor Weihnachten die „Sperrnacht“, wo über Nacht hindurch gesponnen, gut gegessen u. getrunken, gesungen und erzählt wurde. Da bekamen die Sagen ringsum ihr eigenes Leben. Aus dem Mund eines alten „Hördemers“ stammt die Schatzsage: „Ame Krizweg nachts am Zwölfe hen se emol welle christofle. Se hen en Kreis zoge un sin ni gstanne. Uf eimol isch – de Gott will is b´hüte – komme miteme Mühlstei ame Näzfade un hetenen üwerm Kopf rumglunkere losse. Wer üwer de Kreis nus isch, het Fäng kriegt, wer´s aber e Stund usghalte het im Kreis, het e ganze Hufe Geld kriegt“.

Der volkskundlich ausgiebigste Ort im Murgtal war jedenfalls in den beiden letzten Jahrhunderten immer noch Hörden, vor allem das alte Fasnachtsbrauchtum. Die Hördener wurden in diesen Zeiten wohl als rückständig betrachtet, da sie sich den modischen Erscheinungen mit ihrem konservativen Verhalten widersetzten. Glücklicherweise konnte sich jedoch dadurch das althergebrachte Fastnachtsbrauchtum erhalten. Der Fasching begann hier am Fastnachtssonntag mit Tanz, am Montag ist Maskerade und am Dienstagabend wird die Fastnacht begraben. Ein Strohmann auf einer Leiter liegend und mit einem Leinentuch bedeckt, wird unter ohrenzerreißender Musik aus dem Ort getragen. Am Platze werden in Psalmenton verschiedene „Schnurren“ gesungen, wobei der leere Geldbeutel eine Rolle spielt. Hierauf wird der Strohmann verbrannt und die beiwohnenden mit Wasser bespritzt.
Die Maskerade am Fastnachtsmontag kann eigentlich nichts anderes gewesen sein als das heutige „Schlempeln“, das nunmehr mit Masken und Kostümen stattfindet. Man kostümiert sich als alte Frau, als Großmutter, oder als Domino. Das notwendige Schlagwerk war die Saublase – „leider gibt’s heit koi Saublose meh, weil´s koi Säu meh gibt un nimme gmetzelt wird.“ Und schon 1890 wurde der „Fasebutz“ verbrannt, dies geschah ursprünglich in der ortseigenen „Loimegrüb“, der heutigen Russelstraße. Das Narrenbaumsetzen und der erste offizielle Hördener Fasent-Umzug datiert übrigens aus 1914. In der Kriegszeit sind dann jegliche Fasentaktivitäten strikt verboten. 1921 findet danach der erste „Maskenball“ im Gasthaus Anker statt unter ausdrücklichem bezirksamtlichen Maskierungsverbot, die Saalfastnacht wird erst ab 1924 vom ursprünglich generellen Verbot der Fastnachts-veranstaltungen ausgenommen. In diesem Jahr (1924) wird auch eine neue Narrenfigur geboren, der närrische „Schmalzlocher Oberbürgermeister“. Fortan hat er die närrischen Vergehen der Einwohner zu beleuchten und über die Fasent die närrischen Ratsgeschäfte zu führen. Untrügliches Zeichen seiner Amtswürde sind die Amtskette und der aufgesetzte Schmalztopf.
Wann der Hördener Domino Fastnachts-Alltagskostüm wurde, ist unklar. Überliefert ist lediglich, dass der Domino schon vor zwei Jahrhunderten eine gern gesehene Narrenfigur gewesen sei. Legenden besagen, dass ein Hördener Schneider das Dominokostüm, das damals Bajazz hieß, entworfen haben soll.
Ab 1937 erhält die Hördener Fasent neben Nachtwächter und Ratsdiener auf Beschluss des Narrenrats eine neue Figur: den Ortsbüttel. Alle drei zusammen bilden die Narrenpolizei, welche die Fasentgesetze verkünden.
Die standardisierten Schmalzlocher Narrenfiguren waren fortan der Narrenrat, der Stadtrat, Prinz Carneval mit Leibwache und Herold, Pagen, Obernarr, närrischer Oberbürgermeister, Ortsbüttel, Ratsdiener, Nachtwächter, Geometer, Schlempen, Dominos, Clows und Hemdglonker.
Auf Drängen der Nationalsozialisten findet sich im Jahr 1939 nach der Fasent in zwei Gründungsversammlungen der Verein „Narrenzunft Schmalzloch“, der aber bereits im Dezember diesen Jahres wieder per Reichsministererlass verboten wird.
Ein ähnliches Fasentverbot wie während der Zeit des I. Weltkieg´s erstreckt sich dann über den Zeitraum ab 1940 bis 1948. Und gewissermaßen identisch zum Jahr 1921 findet 1948 im Gasthaus Anker der erste Nachkriegsmaskenball,und ebenfalls wie damals, da von Amts wegen verboten, ohne Maskierung und Kostümierung statt. Überdies hat die französische Gendarmeriebrigade die Aufsicht des Tanzabends, der nur bis 23:30 Uhr dauern durfte.
Nach den Wirren des Krieges und der Nachkriegszeit erlebt die Narrenzunft im Jahre 1950 eine Renaissance. Das Fasentprogramm ist schon wieder fast vollständig, so dass man an die Aufgabe freiwilliger Vereinsgründung herangehen kann. Der Bürgermeister selbst lädt mit Einverständnis des Gemeinderates einige mit der Narretei vertraute Männer ins Gasthaus Bierhaus ein, wo diese auch gleich die neuen Satzungen aufstellen und den Narrenrat wählen. Neben Schnurren und Maskenbällen veranstaltet die Narrenzunftim Ochsen und im Anker gleichzeitigPreismaskenbälle mit darin eingebetteten „Bunten Abend“. Daraus entstehen die danach regelmäßigen Herren- und Damensitzungen und die seperaten Preismaskenbälle. Am Morgen des Fasentsamstags werden die Schule von Narrenrat, Schlempen und Dominos gestürmt und die Schüler vom Unterricht befreit. Die Lehrer kommen in „Schutzhaft“ in eine Gastwirtschaft. Am Nachmittag erfolgt nach der Absetzung des Bürgermeisters das Setzen des Narrenbaumes vor dem Kirchl. Zum Umzug, den in diesem Jahr ca. 20.000 Besucher aus nah und fern erleben, verkehren Sonderzüge und Omnibusse nach Schmalzloch. Schließlich kommt auch das Tagblatt nicht umhin, den Hördenern Lob zu zollen: „Sie (die Hördener) verstehen es in einzigartiger Weise aus dem Nichts etwas zu machen. Als wahre Akrobaten der Improvisation verwirklichen sie mit einem Mindestaufwand an Mitteln die drolligsten Ideen. Allerdings, das ganze Dorf macht mit, vom Urgroßvater bis zum Säugling, vom Ziegenbock bis zum Hühnerei. Wohnungen und Straßen werden den Besuchern überlassen, Hörden selbst ist im Festzug. Und gerade in diesem geschlossenen Mitmachen beruht die Wirkungskraft der Schmalzlocher Fastnacht.“
Regen Zuspruch bei sehr viel auswärtigen Gästen fand ab 1950 auch das Schnurren. Die Schnurrabende waren auf die vier Donnerstage vor Fastnacht gelegt. Zunächst nur im Ochsen und Anker vorgesehen, wurde es durch den großen Zustrom unumgänglich das Schnurren in allen Gaststätten und Cafes durchzuführen. „Hördens Straßen waren in den Abendstunden und in der Nacht belebt, wie eine Großstadt bei Tage.“ Auch wenn andere Gemeinden das Schnurren inzwischen nachahmen, sie müssen erkennen, Schnurren ist nicht gleich Schnurren. Die Hördener Frauen üben wie in keinem anderen Ort ihr ureigenstes Frauenrecht aus. Dabei ist die Hördener Frau keine Schlampe sondern eine Schlempe! Zum Schnurren trägt sie Omas schwarze Sonntagsgarderobe, ein Kapotthütchen - am besten noch mit Schleier -, während das Gesicht unter einer Frauenmaskeverborgen ist. Sei es mit 16 oder mit 61 Jahren, das Schnurren wird durch alle Frauengenerationen hindurch gepflegt. Die verkleideten Vertreterinnen des zarten Geschlechts schnurren schäkern, lachen, reden den Burschen und Männern ins Gewissen, nehmen sie auf und während des Tanzens in den Arm. Dafür dürfen diese dann am Schluss vielleicht noch die Zeche der Schönen bezahlen. 1952 wird auch erstmals die Schmalzlocher Schlempenkönigin gekürt. Mit dieser neubegründeten Tradition erfolgte durch die Narrenzunft ein geglückter historischer Rückgriff auf eine Urform der Fastnacht, dem Narrentreiben der Frauen. Aufgabe der Schlempenkönigin ist es, die vielen Schmalzlocher Schlempen zu repräsentieren und in Würde zum Schnurren aufzurufen, ein Ruf dem sich kaum eine „echte“ Hördenerin entziehen konnte und kann.
Und übrigens, seit 1914 kannte man in Hörden nur einen Prinzen Carneval. Ab 1955 bekam dieser nun endlich auch eine Prinzessin. Das erste Schmalzlocher Prinzenpaar waren Karl Häfele & Verena Rothenberger. Seit diesem Jahr wurde auch alljährlich ein Kindermaskenball veranstaltet. 1957 dann springen und hüpfen erstmals die Schmalzlocher Hexen beim Umzug mit. Als Spitze des Lindwurms haben sie für die Sauberkeit der Straßen, wie auch der Umzugsbesucher zu achten.
1959 gibt die Narrenzunft einem Schwarzwälder Maskenschnitzer die Holzmasken für den „fürigen Barthel“ in Auftrag. Was hatte es mit diesem auf sich? Der Barthel war zu Lebzeiten Obersäger und Holzvermesser in der Hasselbachsägemühle. Ihm war bekannt, dass jede Woche zur selben Zeit die Metzger aus der Rastatter Gegend hier vorbeikommen mussten, um zum Viehkauf ins Schwäbische zu gelangen. Die wohlgefüllten Geldkatzen am Ledergürtel der Vieheinkäufer hatte er längst bemerkt. Sie ließen ihn nimmer zur Ruhe kommen und Habgier stieg in ihm auf. So kam die Adventszeit heran, in der es früh dunkel und am Morgen spät hell wird. Zudem waren die Geldtaschen der Metzger vor den Festtagen dicker mit Geld gefüllt als sonst zu einer Zeit. Eines Tages lauerte er einem des Wegs dahinziehenden Metzger auf, packte ihn und zog ihn in die Hasselbachmühle hinein. Dort erschlug er den Metzger mit der Axt. Den Leichnam warf er in die Murg, während er den mit Geld gefüllten Lederbeutel an sich nahm. Nie kam das Verbrechen an den Tag und bald danach ist auch der Barthel gestorben. Konnte der irdische Richter diese Tat zu Barthels Lebzeiten nicht sühnen, so entging er aber nicht der göttlichen Buße. Die hat ihm für sein ruchloses Verbrechen keine Ruhe im Grab finden lassen. Als feuriger Geist muss er seither in der Hasselbachmühle umgehen. Oft meinten einst die Leute, wenn sie am Sägewerk vorbeigingen, das Haus brenne, und als man nachschaute, sei ein feuriger Mann – der ruhelose Barthel – aus dem Gebäude gefahren. Es heißt, zur Adventszeit könne man dies am besten wahrnehmen, und erst, wenn einmal ein Säger für den Barthel eine Messe liest, könne dieser ewige Ruhe finden. In seiner Person verbindet der Barthel also beispielhaft die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Hördener mit dem Aberglauben früherer Zeiten.

gez. Rolf Erlewein
(ein Hördener Jung, heute in Koblenz, unweit des Deutschen Eck´swohnend)

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Other:Geschichte von Hörden im Murgtal
Posted by: Rolf Erlewein on Nov 15 2014 11:44

Bereits ab ca. 1200? wurde von einer Besiedelung (ersten Gehöften) in Hardene ausgegangen. Jedoch erst aus 1276 existiert eine durch Gräfin Uta von Windeck in zu Hardene unterzeichnete Urkunde, in der sie das halbe Zinsgeld von ihrem Hof an das Kloster Lichtenthal stiftete (Stiftungen wurden damals immer an Ort und Stelle gemacht, um diese nach dem Werte beurteilen zu können). Wenn man also 1276 schon von Gehöften und von bebautem Land zu Hardene geschrieben hat, so muss dessen Anfang doch schon einige Jahrzehnte zuvor gemacht worden sein, zumal es sich mutmaßen lässt, dass von der Besitzergreifung einer Gegend durch hereinziehende Bauern (hier den Franken) bis zum stabilen Hofbau und gut bebautem Feld mindestens ein halbes Jahrhundert abgelaufen sein muss. So dürfte also wohl eher die Zeit um kurz nach Jahrhundertwende zum 13. Jh. als Gründungszeit von Hardene nahekommen, auch und gerade in zeitlicher Verbindung der Entstehung und Ausdehnung der ehemaligen Gernsbacher Mark (Gernsbach Marktort ab 1219).

So vermeinte man noch bis 1998, aber anscheinend weit gefehlt !!!
Am8. September 1998 schrieb die Zeitung Badische NeuesteNachrichten unter der Überschrift - Wird Hörden´s 750-Jahr Feier auf das Jahr 2158 verschoben? -„Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen von Dr. Kurt Andermann (Leiter der Außenstelle Karlsruhe der Landesarchivdirektion Stuttgart) soll die urkundliche Ersterwähnung von Hörden nicht Mitte des 13. Jahrhundert, sondern erst im Jahr 1408 gewesen sein.“Er sagte es sei ihm schleierhaft, wie der frühere Gernsbacher Hauptschullehrer (und Hobbyhistoriker) Heinrich Langenbach (1891-1964), von dem die o.a. Forschungen entstammten, auf die Jahreszahl 1251 (die 700-Jahrfeier fand ja wie bekannt 1951 statt) gekommen sei. Eine entsprechende Urkunde liege jedenfalls nicht vor und die Urkunde aus dem Jahr 1276, die auf Hörden hindeuten solle könne als Beweisstück auch nicht dienen. Hier habe sich nach seiner Ansicht ein Lesefehler eingeschlichen. Die dortige Angabe „Hardene“ beziehe sich nicht auf Hörden im Murgtal, sondern auf den Weiler Hartung bei Stollhofen, den es laut Andermann schon lange nicht mehr gibt. Er sei gespannt, was man jetzt in Hörden macht und die Hördener mögen ihm nicht gram sein, er könne nichts dafür. Die Festfreude wolle er den Bürgern im Gaggenauer Flößerdorf keineswegs verderben, was bisher aber zur Ortsgeschichte bekannt war, hätte ihn nicht überzeugt, so sein Resümee.

Also ist die Geschichte von Hörden, beginnend ab 1408, neu zu schreiben, oder? - …obwohl einiges dafür spricht dass Hörden anscheinend doch älter ist. Warum? - siehe jedenfalls Passagen aus dem Buch „Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg, Landkreis Rastatt aus 2002“, kurioserweise überwiegend gezeichnet von eben diesem oben angeführten, inzwischen zum Professor ernannten Berufshistoriker:

„Seit der Mitte des 13. Jh. gehörte Hörden anscheinend zur neu gegründeten Pfarrei Gernsbach“, (so seine Feststellung in Bd 2, S. 34);
-ja was denn nun, woher entstammt denn dann diese seine Vermutung?

Die „Besitzkarte“ der Grafen von Eberstein im 13. Jh. kennt seltsamerweise schon Hörden, nicht jedoch Ottenau (Bd 1, S. 88) …und dies obwohl Ottenau bereits 1243 in Zusammenhang mit der Gründung der Pfarrei Gernsbach seine früheste urkundliche Erwähnung fand, (siehe jedenfalls Bd 2, S. 31);
-wenn denn die Karte stimmt, müsste Hörden doch eigentlich zeitmäßig noch vor Ottenau (d.h. vor 1243) entstanden sein!

„Wenn sich Hörden im Zusammenhang mit der Flößerei und dem örtlichen großen Holzfang entwickelt haben soll“, (so in Bd 1, S. 81 beschrieben), ist doch die Gründungszeit des Ortes Hörden eher irgendwann zwischen 971 und 1271 anzunehmen -
„Jahreszahlen die an den steinernen Pfeilern des Hördener Holzfangs noch in der Mitte des 19. Jh. zu erkennen gewesen sein sollen“, (siehe Bd 2, S. 33);
-und nicht erst am Anfang des 15. Jahrhundert!

„Bereits Mitte der 1360er Jahre musste Graf Wolf von Eberstein seinen Besitz weiter teilen, seinen eigenen Anteil aufgrund weiterer Verschuldung dann 1387 komplett an Baden verkaufen. Die Markgrafen wurden auf diesem Wege zur Hälfte Teilhaber an der verbliebenen Grafschaft, sie waren dadurch Mitherren auch von Hörden“, (so Bd 1, S. 90).

Es liegt in diesen Zusammenhängen auf der Hand, dass Hörden doch schon deutlich vor 1408 bestanden haben muss, nur wann? – bleibt offen – Nachweise fehlen!

1408 jedenfalls erscheint der Ort unzweifelhaft urkundlich erwähnt als Herde, der Grafschaft Eberstein zugehörig. Da mit „Herde“ oder „Hardte“ ein großflächig zur Weidefläche abgeflammtes Gelände bezeichnet wurde, ist damit gleichzeitig angedeutet, dass die ersten Bewohner von Hörden Viehbesitzer gewesen sein mussten, der Heilige Wendelin war auch sonst nicht von ungefähr der Ortspatron.

1195 bereits waren die „Ebersteiner“ erstmals selbst mit dem Grafentitel bezeugt, den Zenit ihrer Bedeutung erreichten sie im frühen 13. Jh.. Auf eine 1219 unternommene erste Erbteilung folgten jedoch bald innerfamiliäre Konflikte, die einen lang währenden und unaufhaltsamen Niedergang einleiteten. Die Grafschaft Eberstein wurde peu a peu hälftig an Baden verkauft. Die geteilten Ortsherrschaften - auch Hörden war davon betroffen - dauerten bis zum 16. Jh. an. Erst mit dem Einwurfsvertrag von 1505 erzwangen die Markgrafen von Baden eine ungeteilte Gemeinschaft, das heißt das Kondominat (die gemeinschaftlich ausgeübte Herrschaft ggf. mehrerer Herrschaftsträger über ein Gebiet) war beendet.

Um 1783 verfügte der Markgraf Karl Friedrich von Baden mit ebenso großer Geste wie propagandistischer Wirkung die Aufhebung der Leibeigenschaft. In der Sache änderte sich aber damit für die Menschen nicht viel. Zwar verschwand nun die inkriminierte Bezeichnung, aber die seit alters der personenbezogenen Abhängigkeit verbundenen Lasten blieben größtenteils erhalten, indem daraus längst Attribute der flächenbezogenen Herrschaft geworden waren. Das definitive Ende der Leibeigenschaft kam schließlich überall erst mit der staatlichen Neuordnung und der Schaffung eines einheitlichen Untertanenverbandes in den ersten Jahren des 19. Jahrhundert.

Aus 1450 entstammt übrigens die erste Dorfzählung von Hörden, nachdem nunmehr aus ursprünglich zerstreut liegenden Bauernansiedlungen eine geschlossene Dorfgemeinschaft gebildet war.Man zählte neun Familien in acht Wohnhäusern mit insgesamt 45 Seelen. Schulz, Rechner und Schreiber sind dabei urkundlich erwähnt.

Mit dem Aufkommen der Holzwirtschaft und der Flößerei erwies sich Hörden´s Talaue als ideales Gelände für den Bau von Sägemühlen und Flößen, denn die Murg teilte sich hier in drei Arme, die sich unterhalb des Dorfes wieder vereinigten. Neben der Holzwirtschaft und Flößerei gingen die Einwohner aber immer noch weiter der Landwirtschaft nach und pflanzten dabei bevorzugt Flachs an, den sie zu Leinen verwebten. Später beschäftigten sie sich auch noch in der Küferei mit der Herstellung von Fasstauben, Zuber, Kübeln und Eimern. Im Vergleich zum Holzgewerbe spielten Acker- und Weinbau in Hörden jedoch nur eine nachgeordnete Rolle. Als zusätzliche Verdienstquelle wurde zudem die Steinhauerei entdeckt, für die die Hördener (Sand)Steinbrüche das Rohmaterial lieferten. Außerdem bestand ein privilegierter Lachs- beziehungsweise Salmenfang. Seit Ende des vorletzten Jahrhunderts gerieten dann alle diese alten Tätigkeiten wie Flötzer, Säger, Waldhauer, Wagner, Häfner, Bändelweber, Fischer und Steinhauer langsam in Vergessenheit.

1683 erfolgte die erste Volkszählung nach dem 30jährigen Krieg. Sie ergab 26 Familien, darunter je eine lutherische, kalvinistische und jüdische, insgesamt etwa 110 Seelen. Fünf Familien werden als geflüchtet und seither nicht zurückgekehrt gemeldet, 6 von den obigen 26 werden als „hereingeloffene Leute“ bezeichnet.

Im Frühjahr 1757 fielen 19 Häuser mit 22 Haushaltungen einem großen Brand zum Opfer. 1780 war der Ort auf etwa 124 Familien, vermutlich rund 600 Seelen, 1800 auf 650 Seelen, dabei 110 Bürger, angewachsen. 1825 zählte man 720 Einwohner, darunter „mehrere Juden“. 1862 wurde eine Synagoge für inzwischen 80 jüdisch Gläubige erbaut, die 1935 geschlossen wurde. Das Gebäude ist danach als Wohnhaus genutzt und steht heute noch. Bis 1938 emigrierten die meisten jüdischen Einwohner nach Holland, England und in die USA.

Hörden war, was die Sitten und Gebräuche betrifft, wohl der „ausgiebigste“ Ort im Murgtal, in dem auch ein altes Fastnachtsbrauchtum vorhanden war und noch heute ist. Vorneweg die Sagen und Legenden: Sei es die Sage vom Hördelstein, vom Galgenberg, vom Hinterdorf, von der Sackpfeif, dem Hexenkessel oder der Weinau. Überliefert ist die Sage vom weißen Hasen, vom Irrlicht oder Zielsteinversetzen bis hin zum Fürigen Barthel der Hasselbachsägemühle. Günstigen Entwicklungsboden für all diese Sagen brachte das „Stubbengehen“ mit der „Sperrnacht“ am 23. Dezember. Beim Stubbengehen hatte man sich seit alters her viel zu „verzähle“ und die Sperrnacht bot, ähnlich wie heute die Nacht zum 1. Mai, für die jungen Burschen des Dorfes die Möglichkeit allerlei Schabernack zu treiben. Die Fenster der Mädchen wurden mit Ketten zugesperrt und die Türen mit Reisigbündeln zugesetzt. Ein beliebter Sport war dabei auch das Ladenklopfen, das heute noch als „giegeln“ betrieben wird.

Hörden besitzt auch als einer der wenigen Orte gleich zwei „Uz“ Namen, nämlich „Flotzkegel“und „Schmalzloch“. Flotzkegel sind Holzkeile, die zum Einbinden der Flöße benutzt wurden. In Hörden, als bekannt mit seinen Flößeeinbindeplätzen auf der Essel und unterhalb der Sägemühlen, waren diese Keile rege in Gebrauch, weshalb es nahe lag, diejenigen, welche die Flöße einbanden, auch als Flotzkegel zu bezeichnen. Noch nicht genau geklärt ist die Herkunft des Hördener Fastnachtsnamens Schmalzloch. Alte Hördener bringen Schmalzloch mit der 1508 erlassenen ebersteinischen/ baden-badischen Landesordnung in Verbindung, in der bestimmt wurde, dass das Volk nur soviel Küchlein backen dürfe, als es am Fastnachtsdienstag aufessen könne. In Hörden soll durch das Holzgewerbe Wohlstand geherrscht haben, die Schmalztöpfe sollen so gut gefüllt gewesen sein, dass ausgiebig Küchlein gebacken und der Ort daher Schmalzloch genannt wurde.
Viel wahrscheinlicher ist jedoch folgende Geschichte: Aus der Hinterlassenschaft des Jacob Kast befand sich auf dem Kaltenbronn eine Sennerei und Waldweideaus der den Sommer über zweimal wöchentlich Wagenladungen an Butter, Milch und Käse in den Gronsfelder Hof (heutiges Gasthaus Ochsen) nach Hörden geliefert wurden. Berücksichtigt man die Verelendung und Armut in der Bevölkerung, die der Dreißigjährige Krieg und die nachfolgende Zeit mit sich brachten, die soweit ging, dass die Bevölkerung des hinteren Murgtal´s beim Markgrafen Eingaben für eine Auswanderung stellten, dann wird verständlich, welchen missgünstigen Eindruck die „Hördener Schweizerei“ mit ihrem Nahrungsmittelreichtum auf insbesondere die übrigen Murgtäler machte. Gehörte diese Schweizerei auch noch einer verhassten Familie, wie sie die Gronsfelder waren, dann konnte man nur noch neidisch von einem Schmalzloch sprechen, von einem Ort, in dem es zu Essen gab, während man selbst Hunger leiden musste. Es sei dahingestellt, ob Gronsfelder Hof oder Fastnachtsküchle, auf jeden Fall blieb Schmalzloch und der gefüllte Schmalztopf den Hördenern als Fastnachtszuschreibung erhalten.

In keiner Gemeinde des Murgtal´s herrscht übrigens wohl über die „Fasendtage“ ein so tolles und urwüchsiges Treiben, wie gerade in Hörden. Das ist aber keine Erscheinung der neuesten Zeit, wie vielleicht in manch anderen Orten, sondern althergebracht, vererbt von den Ahnen. Wenn auch die urkundlichen Nachrichten darüber nicht gerade sehr zahlreich sind, so gibt esdoch sichere Informationen darüber dass schon vor dem Jahr 1500 die Narretei in Hörden eifrig gepflegt wurde. Das wohl in seiner Ursprünglichkeit älteste erhaltene Fastnachtsbrauchtum in Hörden ist das Scheibenschlagen. Es geht zurück auf die eingewanderten Tiroler, die das Scheibenschlagen in ihrer althergebrachten Form im Murgtal weiterführten. Oberhalb des Hinterdorfs erhebt sich der „Scheibenberg“, von wo aus dieser Jux der ledigen Burschen im Dorf durchgeführt wird.Aus dem Flug der entzündeten Räder wurde die Zukunft des von der Bergkuppe herunter gerufenen ledigen Paares gedeutet. „Die Schiib, die Schiib, die geht so recht, sie geht so schlecht, sie geht mit der … und mit dem … in d´Höh! Juchhe!“, so deren Ruf.
Bei den strengenMoralvorstellungen im 16. Jh. bleiben den ledigen Jungen und Mädchen nur wenig Möglichkeiten zu gemeinsamen Feiern. Abends auf der Treppe küssen oder auf einer Bank schmusen, ist noch nicht erlaubt. Verständlich, dass man Zeiten sucht, in denen es anders zugeht wie im Alltag. „An Fastnacht nehmen wir uns, was ansonsten verboten ist. Da können die Pfarrer schimpfen wie sie wollen“, mag mancher Zeitgenosse „gebruddelt“ haben. Bereits 1508 sah sich daher der Graf von Eberstein durch Auswüchse und Missbräuche die eingerissen waren veranlasst, zusammen mit dem Markgrafen von Baden-Baden, die Fastnacht daher gesetzlich zu regeln. „Das übermäßige Fressen und Saufen, das körbeweise werfen von Fasnachtsküchle, das aufstecken der Küchle auf den Hut, das Türabbrechen, das Weibertreiben bis zum frühen Morgen, das nachäffen der Obrigkeit und das [Wüst anheißen] ist von jetzt an verboten“, als die Herrschaft das Treiben des Weibervolks, das den Mannesleut Hut, Helm oder Kapp vom Kopf reißt und das Tanzen bis in den Äschertag hinein noch strenger ahnden wird, als es der hochselige Herr Graf vor 44 Jahren getan hat.Damit reicht diese Nachricht bis in die Zeit hinein, als das Bistum Speyer – als Grundherrschaft im Murgtal - um 1490 die Fastnachtsspiele untersagte, „weil sie dem einstigen Sinn nimmer entsprächen täten“.
In den kommenden Jahrzehnten musste, nach vorhandenen Schriftstücken, noch des öfteren auch die Geistlichkeit den übermäßigen und ausschweifenden Treiben entgegentreten. Deutlich erbringt´s der Rotenfelser Pfarrgeistliche 1605 in seiner Kanzelrede zum Ausdruck, die er am 1. Fastensonntag über seine überraschten Pfarrkinder herunterschüttete: „Heissa, der Teufel ist tot und seine Großmutter auch! Wir tanzen bis wir genug haben - die Herrschaft hat´s erlaubt. Ich sage euch aber, der Bischof hat das Tanzen zu erlauben. Vermaledeit seien die Älteren und die Obrigkeiten, die das erlauben. Ja, wenn´s mit dem Tanz genug wäre!Wie sehen aber die schönen Jungfräulein des andern Morgen´s aus? Es wird daher gegen alle, die dem leichtfertigen Tanz beigewohnt, eine Straf von 6 Gulden gefällt.“
Die Fastnacht in Hörden um 1600 bestand aus Gelage, Tanz und war – so Pfarrrektor Freytel aus Rotenfels – damit noch nicht genug. Die ledigen Mädchen, denen damals der Gang ins Wirtshaus verboten war, hatten die Gelegenheit für „ausgelassenes Treiben“, was die ledigen Burschen sicher zu nutzen gewusst haben. Der „leichtfertige Tanz“ wird wohl zu manchem Techtelmechtel geführt haben, denn in späteren Jahren wird von den Geistlichen sehr genau berichtet, wie die Anzahl der nichtehelichen Kinder zu- bzw. abgenommen hat.
Die darauf folgenden Kriegs- und Notzeiten brachten die Fastnacht von selbst zum Erliegen. Plünderndes Gesindel, leergebrannte Hofstätten und flüchtige Menschen drückten bis um 1700 der Gegend den Stempel unsagbaren Elends auf. Aber kaum dass wieder Hablichkeit und Ordnung zu spüren waren, begann die „Alt Fasenacht“ wieder von neuem, so dass sich 1720 selbst ein speyerischer Hirtenbrief gegen „tolle Fasentsitten, unchristliche Mißbräuch und ärgerlichen Mutwillen, insbesondere der Weibspersonen“ richtete. Die Geistlichen waren angehalten, einen jeden, der Fastnacht mitmache, mit 25 Reichstalern Strafe zu belegen. Aber es hätte dieses Verbots nicht bedurft. Krieg, Besatzung und Brandschaden ließen das Volk erneut verarmen.
Kaum aber, das 1814 die russische Besatzung abgezogen war (Hörden hatte im Winter 1813/14 mit 45 Mann und 14 Fuhrwerken fast täglich Stroh, Brot, Heu und Wein von dem Wenigen was man selbst hatte der russischen Armee bis an den Rhein nachzufahren), so loderte sie wieder auf – die Murgtalfastnacht.
1828 versuchte es der Gernsbacher Oberamtmann daher mit einem neuerlichen Verbot. So viel Erfolg hatte er damit, dass die Hördener lieber die festgesetzte Strafsumme erledigten, als sich die Fastnacht verbieten zu lassen. Diese Civilcourage bringt ihnen allein schon das Recht zu, heutzutags noch die Tage vor der heiligen Fast in großem Format zu begehen. Die Gründung der Narrenzunft 1951 war daher der logisch richtige Weg und so tönt hoffentlich noch lange deren Schlachtruf „Krah, krah hurrah“.

Hörden war ab dem 16. Jahrhundert ein Hauptsitz der Murgflößerei. Der Ort schrieb sich zu dieser Zeit Herden und war im Murgtal bedeutend herangewachsen. Im Jahre 1494 entstand der große Holzfangplatz auf der „Eßzell“, die Flößerordnung datiert aus 1509. (Älteste Bauspuren des Holzfangplatzes weisen sogar weiter zurück, lassen sich aber nicht einwandfrei belegen.)
Von 23 Sägemühlen im Murgtal standen in und am Ort allein neun Stück. Das im hinteren Tal geschlagene Holz wurde hier aufgefangen, zugesägt, zu Flößen eingebunden und zunächst durch Hördener und Ottenauer Floßknechte bis Steinmauern „geflaizt“, dort zu großen Flößen zusammengefasst und von da aus mit personeller Unterstützung von Steinmaueren Flößern (50/50 Personalzusammensetzung)auf dem Rhein bis hinunter nach Mainz und nach Bingen verbracht. Sogenannte „Hollandflößer“ übernahmen von dort wenn erforderlich den Weitertransport bis nach Holland. Die Rheinflöße war übrigens gewaltig. Ihre Ausmaße betrugen bis 300 Fuß Länge und 25 Fuß Breite und umfassten öfters weit über 12.000 Bretter.
Überdies hatte der Ort durch die markgräfliche Zollstation zusätzliche Bedeutung erlangt. Gernsbach zu war man „ebersteinisch“, und murgabwärts „markgräflich“.

Die Könige des Tals sind die Schiffersippen, vorneweg die Kast´s von Hörden. Hauptschiffer in der Entwicklung der Murgtalflößerei und späterhin in alleiniger Herrschaft war der aus Gernsbach entstammende und in Hörden wohnende Jakob Kast (1540-1615), eine schillernd Gestalt. Er brachte es zu solchem Reichtum, dass er häufig auch „badischer Fugger“ genannt wird.
Nach der Testamentseröffnung 1619 berichtet uns ein Erbverzeichnis von 83 Stück Wäldern und Anteilen an 26 Sägemühlen, sowie 8 Häuser die er inne hatte. Darüber hinaus Weinberge und Wiesen in Hörden, Gernsbach, Hilpertsau, Bermersbach, Ottenau und Malsch.
Er hinterließ ein Gesamtvermögen von 512.661 Gulden, 3 Schilling, 1 Pfennig, von dem allein 400.000 Gulden als Darlehen vergeben waren. Das Bargeld war so umfangreich, dass seine Erben es unter sich in Körben verteilt haben sollen, weil das Zählen sonst zu große Mühen verursacht hätte.An „Leinwand und Gepinsel“ hatte er 2091 Ellen Tuch aus Flachs, 4803 Ellen Stoff aus Hanf und 208 Pfund Werg. Zur Verteilung kamen zudem Kleider für Damen und Herren, Zinngeschirr, Kupferwaren und Wein. Nicht von ungefähr zogen sich später auch die Erbstreitigkeiten darüber rund 80 Jahre hin.

Um die Mitte des 18. Jh. sind als Begleiterscheinung des Holzhandels in Hörden zwei Viehmärkte entstanden, die sich bald zu allgemeinen Jahr- und Krämermärkten fortentwickelt haben. Sie hatten noch im 19. Jh. Bestand. Ein ortseigener Kramladen übrigens ist erstmalig um 1800 bezeugt.

1824 kam es zu einem verheerenden Hochwasser, durch dass einige Sägereien und die „Eßzell“ völlig zerstört wurden. Damit und mit dem Ausbau von Verkehrswegen in Baden und auch ins vordere Murgtal, begann langsam der Niedergang der Flößerei. Agrarkrisen in den 1840er und 1850er Jahren, die badische Revolution 1849 und spätestens die beginnende Industriealisierung taten ihr Übriges, Arbeitslosigkeit und damit Armut zu fördern und zwang hunderte Einwohner zunächst zu Flucht (ehemalige Freischärler) und späterhin zur Auswanderung (die Ärmsten der Armen), vornehmlich in die USA und nach Ungarn, Teile auch nach Galizien; zwischen 1835-1870 über 230 Hördener Einwohner, dabei 70 Flößer aus dem Murgtal. Im Frühjahr 1896 fuhren dann die letzten Flöße der Murgschifferschaft murgabwärts.

Nach der Flößerei bildete das Steinhauergewerbe einen namhaften Erwerbszweig des Dorfes. Man verzeichnete Ende des 19. Jahrhundert darauf hin wieder einen steilen (über 80%igen) Bevölkerungszuwachs. Aus Hördener Stein ist die Forbacher Murgbrücke und das Postamt zu Baden-Baden erbaut worden. Die Kirche und Pfarrhaus im eigenen Ort sind ebenfalls Musterbeispiele Hördener Steinmetzenzunft. Gebrochen wurde der Stein in eigenen Brüchen. Dort wurde noch bis zum I. Weltkrieg hin regelmäßig abgebaut. Viele Steine gelangten zunächst noch auf acht-spännigen Ochsenkarren nach Wiesbaden, Linz an der Donau und bis nach Amsterdam. Der Sockel des Niederwalddenkmals ist ebenfalls aus Hördener Quadern errichtet. Bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhundert erfolgte dann noch - inzwischen industrieller Abbau – , die Steinhauer waren bereits ab Anfang des Jahrhunderts rar und inzwischen „ausgestorben“. Einer dieser letzten Hördener Steinhauerwar übrigens mein Großvater mütterlicherseits, Karl Hornung. Danach war aber auch damit endgültig Schluss, die Brüche sind danach „zugewachsen“.

Verhältnismäßig früh kam das Murgtal auch zu einer Eisenbahn. Es war die Murgschifferschaft, welche den Bau einer Materialbahn für ihren Holzhandel in die Wege leitete. Dazu brach man am Hördelstein erneut den Fels. Bei dieser Gelegenheit wurde auch das Straßendenkmal (aus 1786) versetzt, das die Inschrift trug: „Diesen Felsen sprengte man und legte einen Fahrweg an.“ Der Volksmund vervollständigte diesen Spruch durch die Worte: „Doch später ging man wieder dran und baute eine Eisenbahn.“ Am 31. Mai 1869 erfolgte die Inbetriebnahme der Sackbahn von Rastatt bis Gernsbach, erst 25 Jahre später weiter bis nach Weisenbach. 1904 ging die Murgtaleisenbahn dann aus dem Privatbesitz in den Besitz des Staates über. 1915 erfolgte deren Weiterführung zunächst bis Raumünzach und 1928 endlich bis nach Freudenstadt. Ab 1929 fuhr das erste Eilzugpaar auf der Strecke Frankfurt-Konstanz durch das Murgtal.

Das erste Gemeindesiegel aus 1500 zeigt eine Sachsensäge mit fünf Zähnen. (Hinweis auf die fünf Hauptstämme der Murgschifferschaft, die in Hörden ihren Sitz hatte). Der Grund des Schildes ist Silber, weil Hörden eine fränkische Niederlassung ist. Alte Siegel tragen diese Zeichen. Seit 1906 wurde jene Säge mit zwei (links oben und rechts unten angebrachten) „Rosen von Eberstein“ vermehrt. Es sollte damit angedeutet werden, dass Hörden im früheren Amt Eberstein lag, das einen Teil des späteren Bezirksamtes Gernsbach bildete. Im Dienstsiegel des Bürgermeisters fand sich bereits ab 1830 zudem eine über der Säge schwebende Fürstenkrone, womit man zum Ausdruck bringen wollte, dass Hörden zu den „Großherzoglich badischen Gemeinden mit Marktrechten“ zählte.

Bis 1872 war das Dorf amtlich zugehörig dem Amt Gernsbach, um dann dem Bezirksamt Rastatt zugeteilt zu werden. Zum 1. Januar 1975 wurde das Dorf in die Große Kreisstadt Gaggenau (Gaggenau bereits um 1243 erstmalig urkundlich erwähnt) eingemeindet. Der ursprüngliche Name Herde (1408) wandelte sich im Verlauf der Geschichte über He(e)rden (1471), Herth (1683), Herdthen (1701), Hertten (1736), Herthen (1784) und Hördten zu Hörden, heute Gaggenau-Hörden oder postalisch 76571 Gaggenau 16.

Wann das erste ortseigene Gotteshaus, die Wendelinuskapelle, errichtet wurde ist nicht überliefert. Man erfährt aus schriftlichen Nachweisen, dass ums Jahr 1683 der Ort eine kleine (Holz)Kapelle dieses Namens besessen habe, die von der vorbeifließenden Murg unterwühlt, baufällig und nicht mehr benutzbar geworden sei. Entstehungszeit vermutlich zwischen 1450 und 1500 (vergleichsweise anderer Murgtalorte mit ihren Erstlingskapellen). Dieses Bauwerk wurde 1701 zunächst wieder soweit hergestellt. Mit Genehmigung des Markgrafen von Baden Baden wurde dann Anfang des Jahres 1743 endlich eine (Stein)Kapelle (ein „schmuckloser Bau im Scheunenstil“) durch den Rotenfelser Dekan zu Ehren des heiligen Johannes von Nepomuk und gleichfalls zu Ehren des Ortspatrons St. Wendelinus eingeweiht. Was deren Finanzierung betraf hatte man „Allmendbüsche“ gerodet und der Erlös aus dem Verkauf der dabei gewonnenen Güter zum Bau der neuen Kapelle verwendet. Die Kapelle lag vor dem „Kirchenwirt“, (Haus 95, 96) am Nordende des Ortes. Ab 1894 wurde der Bau leerstehend zunächst als Feuerwehrgeräteraum, später als Gemeindekeller genutzt. Im Sommer 1935 wurde dann das „Alte Kirchl von Hörden“, da inzwischen zum Verkehrshindernis geworden, abgebrochen.
Mutterkirche aller talaufwärts Rothenfels liegenden Gebiete/ späteren Ortschaften war seit Kaiser Heinrich III. (1017-1056) Rothenfels. In den großen und kleinen Zehnt zu Hörden teilten sich, wie im gesamten unteren Murgtal, das Domkapitel zu Speyer (2/3) und die Pfarrei Rothenfels (1/3). Ab dem Mittelalter war die Pfarrzugehörigkeit von Hörden dann zwischen Rotenfels und Gernsbach wechselnd, fällt aber ab 1764 alleinig Gernsbach zu. Für Katholiken bekam Hörden ab 1903 eigene Kuratie und wurde um 1956 endlich auch zur eigenen Pfarrei erhoben. Die heutige Ortskirche, dem St. Nepomuk geweiht, war bereits seit 1894 erbaut (erster Spatenstich erfolgte am 11. Dezember 1892).

Aus dem Jahre 1690 existieren übrigens die ersten Informationen über einen Hördener Schulmeister. Es soll ein weitgereister Handwerksbursche gewesen sein, der sich angetragen hatte, für Essen und eine Schlafstelle Schule zu halten. Ein Schulzwang bestand nicht. Man schickte die Kinder nur zur Winterszeit, und dawiederum nur unregelmäßig zur Schule. Aber der Wandertrieb hat anscheinend diesen „ersten Lehrer“ allzuschnell wieder gepackt, so dass die Schulstube wieder verwaiste; auf lange Zeit. Die ersten religiösen Unterweisungen erhielten die Buben und Mädels jedoch in Rotenfels, wohin die Gemeindekasse lange einen Schulbeitrag geleistet hat, eine zeitlang auch nach Selbach. Es scheint jedoch, dass der Selbacher Betrag mehr dem dortigen Lehrer und Organisten gegolten hat, der in der Hördener Kapelle „gesungen und auch vorgebetet hat“.
1785 war dann ein entscheidendes Jahrfür die „Hördener Schule“. Die Regierung bestand darauf, dass die behelfsmäßig gemieteten Schulstuben aufgehoben und für zweckmäßige Schulhäuser in allen Gemeinden Sorge zu tragen sei. 1842 erfolgte der Einzug ins neue einräumige Schulhaus an der Landstrasse Nr. 93, was danach Schulzenstube und später zeitweilig Spritzenhaus wurde. Ab 1913 wurde dann endlich das noch heute als Teil der Grundschule genutzte sechs Schulräume umfassende Gebäude auf den Langenäckern errichtet.

1950, in meinem Geburtsjahr, hatte Hörden 1913 Einwohner (914 männliche/ 999 weibliche), davon 55 Personen über 70 und 5 Personen über 80 Lebensjahre. An Geburten in diesem Jahr waren 33(20 m/ 13 w), an Eheschließungen 27, an Sterbefällen 32 (8 m/ 14 w) zu verzeichnen. An Viehbestand zählte man in dem Jahr 3 Pferde, 120 Kühe, 2 Farren, 167 Ziegen, 48 Stück Jungvieh,51 Schweine, 7 Schafe, 1367 Hühner, 16 Enten, 7 Gänse und 192 Bienenstöcke.

Die heutige Bebauung von Hörden überzieht den Talboden östlich der Murg bis auf den rechtsseitigen Talhang. Entlang der in Talrichtung verlaufenden Landstraße, der alten Hauptstraße des Orts, setzt die verdichtete alte Bebauung ein. Die weitgehend giebelständig ausgerichteten Gebäude mit Innenhöfen, die nur z.T. saniert sind, lassen noch eine frühere landwirtschaftliche Nutzung erkennen. Handelsbetriebe zur Deckung des kurz- und mittelfristigen Bedarfs prägen das heutige Funktionsgefüge. Am Nordrand der alten Bebauung (auf dem Gelände der ehemaligen Pappenfabrik Wunsch & Ruckenbrod) entstanden die Flößerhalle und der Flößerbrunnenplatz. Der große Hallenbau passt sich mit seinem Walmdach mit tief heruntergezogener roter Schwalbenschwanzeindeckung und rötlichen Wänden der baulichen Umgebung des alten Ortskerns an. Gegenüber der Volksbank steht im alten Ortskern das Kast´sche Haus, das 1592/94 von der Murgschifferfamilie Kast erbaut wurde. Der repräsentative zweigeschossige Fachwerkbau mit Sandsteinlaibungen entstammt in der heutigen Form dem Ende des 18. Jahrhundert. Seine profilierten Gesimse, das Portal und ein seitlicher Torbogen sind der Renaissance verpflichtet.
Ortsbildprägend ist die katholische Pfarrkirche St. Nepomuk von 1894. Über ihrem Eingang befindet sich eine vor die Fassade gesetzte Balustrade, darüber eine auffallend große Fensterrosette. Bemerkenswert ist die farbliche Gestaltung durch die Verwendung von rotem und gelben Sandstein. Auf dem Kirchengrundstück steht das Pfarrhaus, ein repräsentativer zweigeschossiger Sandsteinbau unter einem Knüppelwalmdach und mit einer Heiligenfigur im Obergeschoss an einer Gebäudeecke. Ostwärts hinter der Kirche steht an Stelle der früheren Turnhalle das St. Bernhardus-Heim, der Kirchengemeinde gehörend.
Nicht weit entfernt von der katholischen Kirche liegt an der Hördener Straße kurz vor dem Hinterdorf, die Grundschule. Ein zweiteiliger, durch einen Zwischentrakt verbundener Gebäudekomplex. Der ältere und nördliche Gebäudeteil (die alte Volksschule) hat zweieinhalb, der neuere (um 1966/67 gebaute) südliche drei Geschosse mit großzügig verglasten Klassenräumen. Ein kleiner Sportplatz und südlich davon der Kindergarten, der zu meiner Kinderzeit zunächst noch von Ordensschwestern aus Bingen geführt und betreut wurde, ergänzen den Schulbereich.
Am Nordostrand des Gaggenauer Stadtteils liegt am Gegenhang des Scheibenbergs der mit Hecken umgrenzte Friedhof. Seitlich am Eingang ist aus Granitsteinen und Bronzeplatten ein Kriegerdenkmal gestaltet. Oberhalb des Friedhofs, das gesamte Gelände überragend, steht die 1865 errichtete alte Friedhofskapelle Mariä Trost, ein einfacher hölzener Satteldachbau mit offener Seitenwand und einem steinernen Altarraum mit Gittertür am Kopfende. Ein Dachreiter mit 1949 erneuerter Totenglocke sitzt auf dem Giebel. Unweit der alten Kapelle wurde eine Aussegnungshalle erbaut, ein schmuckloser Flachbau, der durch einen ovalen, das Dach überragenden Betonhalbbogen auffällt.

...
und zu den Gronsfelder´n und Wolkensteiner´n, quasi dem Hördener Ortsadel im 17. Jahrhundert, gibt es abschließend noch folgendes zu berichten:
Im Zuge der jahrzehntelangen Erbstreitigkeiten unter den Ebersteinern wurde den Erben der weiblichen Linie der letzten katholischen Ebersteiner im Jahr 1620 durch das Reichskammergericht die Hälfte der Grafschaft, unter anderem damit zur Hälfte die Ortschaft Hörden zugesprochen. Der damalige Gerichtspräsident war ein Graf Gronsfeld; „ein Schlimmer ist der Unrat dabei wittert“.
Der Ort stand somit nach Abschluss des daraufhin erfolgten „Rufacher Vertrags“ (1624) in Leibeigenschaft der Gronsfelderin, (Anna Christina von Bronckhorst-Gronsfeld, geborene von Hardenrath, 1615-1692 (Tochter des Bürgermeisters von Köln)) und der Freifrau Felicitas von Wolkenstein,die gemeinsam mit dem Markgrafen von Baden regierten und damit auch die Kast´sche Almosenstiftung innehatten, die sie im Laufe der Zeit jedoch regelrecht „plünderten“. Vor allem die Gronsfelder lebten anscheinend ständig über ihre Verhältnisse.
Die Gronsfelder eigneten sich übrigens zudem widerrechtlich die Kast´schen Güter in Hörden an (ihnen gehörte zwar rechnerisch ¼ von Hörden, jedoch nicht der Kast´sche Besitz) und setzten unter anderem ihren Amtmann einfach in dessen ehemaliges Wohnhaus (gebaut 1592). Sie selbst residierten, wenn sie denn in Hörden weilten, fürstlich im ehemaligen Stammhaus „Kast“ (Baujahr 1550), das nunmehr „Gronsfelder Hof“ (das heutige Gasthaus Ochsen) genannt wurde. Dieses Gasthaus, übrigens das älteste im Dorf mit Schildgerechtigkeit, hatte vermutlich schon spätestens um 1650 entsprechende Rechte (vermittels Anbringung eines Schildes die Gastwirtschaft als solche kenntlich zu machen und zu betreiben). Es durfte dabei jedoch nur in örtlichen Rebgeländen gewachsener Wein ausgeschenkt werden. Der Besitzer kam alljährlich „ums Wirten ein“ und konnte auf ein weiteres Jahr eine Wirtschaft unterhalten, so er mit den herrschaftlichen Abgaben nicht im Rückstand geblieben ist. Nach Aussterben der Gronsfelder wurde die Gastwirtschaft an einen Hördener Bürger in Pacht gegeben.
Die Gronsfelder veräußerten ihren Gebietsanteil 1673 schließlich für 42.000 Reichstaler an den speyerischen Bischof, wogegen der Markgraf von Baden-Baden intervenierte und drei Jahre später wenigstens in die Kaufverträge eintreten konnte. Mit dem Aussterben der schwäbischen Linie derer von Wolkenstein-Trostburg im Jahr 1695 gelangte dann auch deren Gebietsanteil in badischen Besitz, da dies bereits 1673 bei der Übertragung des Gronsfelder Lehens an das Hochstift Speyer so angetragen worden war.
Der 1673 erfolgte Verkauf „der Gronsfelder“ an das Bistum Speyerrettete dann wenigstens noch einen Teil der ehemals großzügigen wohltätigen Kast´schen Almosenstiftung. Nach Zahlung von 1300 Gulden aus dem Almosenfonds an den Markgrafen wurden von diesem die widerrechtlich angeeigneten und verkauften Liegenschaften wieder zurückgegeben, wodurch der Stiftung wenigstens etwa die Hälfte ihres ursprünglichen Grundbesitzes erhalten bleibt. So trug der Fond erneut wieder viele Guttaten ins Tal. Jakob Kast der Jüngere, ein Urenkel des alten Kast zu Hörden, stiftete anno 1776, Gott sei Dank, noch eine weitere ordentliche Summe neu hinzu. In der Folgezeit scheint der Fonds aber nicht besonders glücklich verwaltet worden zu sein, denn sein Vermögen verringerte sich bis zum Jahre 1779 auf etwa 1490 Gulden, ein Stand bei dem es lange verbleibt. Erst 1871 wird wieder ein Kapitalvermögen von 2000 Gulden erreicht, aus dem jährlich 80 Gulden zur Verteilung an die Armen kommen. Im Zuge eines Reichserlasses erfolgt zu gleicher Zeit die Umwandlung in eine örtliche Stiftung unter kommunaler Verantwortung. An Stelle von Privatpersonen, darunter auch Murgschiffer, treten jetzt drei Gemeindevertreter aus Gernsbach. Die Inflation von 1923 entwertet das Stiftungskapital auf rund 1350 Reichsmark, das Adolf Kast 1931, anlässlich seiner Silbernen Hochzeit, durch eine Spende von 10.000 Reichsmark aber wieder beträchtlich aufstockt. Mit der Währungsreform von 1948 wird das Restvermögen von 3.000 D-Mark zusammen mit der Krankenhaus- und Armenstiftung Gernsbach in den neu gegründeten „Spendenfonds 1981“ der Stadt Gernsbach überführt.
Nach fast 350 Jahren gehörte damit einer der letzten Zeugen einstiger Größe und Blüte der Schifferschaft der Vergangenheit an.

Ergänzende Anmerkung zur Gründungszeit von Hörden in „Die Kunstdenkmäler Badens“, herausgegeben vom Regierungspräsidium Südbaden (12. Band, Landkreis Rastatt von 1963) ist wie folgt geschrieben:
…die Hälfte von Hörden wurde 1387 von Graf Wolf von Eberstein an Rudolf den VII. von Baden verkauft. Am 13.01.1411 wurde in Ergänzung zum Teilungsvertrag über die Grafschaft Eberstein zwischen Bernhard I. von Baden und Bernhard und Wilhelm von Eberstein entschieden, dass Ottenau und Hörden bei der Markgrafschaft bleiben sollten. Im Einwurfsvertrag von 1505 ist auch Hörden als gemeinsamer Besitz von Baden und Eberstein genannt; der Ebersteinsche Anteil kam 1624 an die Grafen von Wolkenstein und 1676 über Speyer an Baden.

Zusammengetragen aus Büchern/ Schriften, ferner aus Internetrecherchen sowie zeitweise eigenem Erleben und persönlichen Eindrücken durch Rolf Karl Erlewein, geboren am 21.10.1950 im Krankenhaus in Gernsbach, als 2. von vier Kindern der Eheleute Alois Erlewein von auswärts (aus Hagenbach bei Bad Friedrichshall) und Ella geb. Hornung aus Hörden (oder auch „Hornung´s Ella ihr Eldeschter“, wie „mer frieer in Herdde g´sagt hat“), aufgewachsen von 1950-1971 in der Neuen Straße 315, spätere Bahnstraße 21, (heutige Hördenerstraße 69) in Hörden; inzwischen wohnhaft in der Mainzer Strasse 17a, in 56068 Koblenz.

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Other:Geschichte von Hagenbach bei Bad Friedrichshall
Posted by: Rolf Erlewein on Nov 14 2014 08:37

Auf der heutigen Gemarkung Hagenbach stand schon zur Römerzeit (um ca. 150 n. Chr.) ein Gutshof. Grabstätten aus der alemannischen Zeit (3. - 6. Jh.) fanden sich hier ebenfalls. Der Ort selbst entstand nach der Rodung eines Waldgebietes vermutlich bereits in der Zeit zwischen 1000 und 1100.

Der ursprüngliche Name war Hagenbuoch, später Hagenbuch, benannt nach dem Heckenzaun aus Hagebuchen der damals zum Schutz vor den Waldtieren um die Äcker und Wiesen angelegt worden war. Der älteste Siedlungskern des Weilers Hagenbuoch lag übrigens beim Friedhof im Gewann Mauer an der Stelle, an der die Römer wohl auch schon gesiedelt hatten. Rund dreihundert Meter entfernt wurde an der Stelle des heutigen Alten Rathauses um 1200 ein herrschaftliches Steinhaus errichtet, um das sich der heutige Ort entwickelte. Hagenbuoch bestand um 1300 aus fünf Lehensgütern unter der Grundherrschaft des Bistums Worms. Die Grundherrschaft wurde in Folge an das Stift Wimpfen gegeben.

Ortsadel von Hagenbuoch waren die Herren von Wittstatt, späterer Beiname Hagenbucher. Sie (in Person Rudeger von Wittichestat) erhielten 1236 den Ort als Reichslehen. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes selbst entstammt aus dem Jahre 1296. Derer von Wittstatt sollen übrigens aus dem Geschlecht der Berlechinger hervorgegangen sein. 1467 belehnt Kaiser Friedrich III. Konrad von Wittstatt mit dem vom Vater ererbten Dorf Hagenbach samt der Vogtei, Gericht und allem Zubehör. Jetzt sind die Wittstatt´s wirkliche Herren im Dorfe.

Der Hagenbucher Zweig derer von Wittstatt entstammte zwar altem Adel, sie hatten jedoch aus ihren wenigen Besitztümern nur ein geringes Einkommen, obwohl ihnen der Bischof von Würzburg auch noch den Zehnten zu Hagenbuch verlieh. Sie waren daher auch selbst Burgmänner auf dem Scheuerberg und bezogen dafür jährlich ein Fuder Wein. Philipp von Wittstatt (+ 1520) und seine Gattin Agatha von Ramstein (+ 1518) verkauften 1506 das inzwischen aus fünfzehn Höfen bestehende Reichslehen mit Anteilen an Duttenberg und Heuchlingen für 2000 Gulden an den Deutschen Ritterorden (DM Hartmann von Stockheim), wobei sie die Hälfte des Erlöses als Darlehen an den Kaiser abtreten mussten. Jährlich wurden ihnen und ihren Erben dafür 5% Zinsen angewiesen (im Wiener Reichslehenarchiv als „Tausendguldenlehen“ geführt). Seit 1782/1783 war die Kommende Horneck übrigens Sitz des zentralen Neckaroberamtes (Zusammenschluss von Kommenden des Deutschen Ritterordens). Und auf dessen Amtsschreiber geht (möglicherweise aufgrund eines Schreibfehlers) die Namensänderung zu Hagenbach zurück, wobei es was zu vermuten wäre kein Gewässer dieses Namens im Ort oder seiner Umgebung gab.

Aus der Gemeinde erhielt der Deutschordenssitz, die Kommende Horneck bei Gundelsheim, im Jahre 1553 2 fl (Gulden) Hellerzinse, 4 Mt (Malter) Korn/Roggen und 3 Mt (Malter) Haber (nach Wimpfener Maß). Hagenbach gehörte gebietsmäßig zum Amt Heuchlingen. Bei der Mediatisierung des Deutschen Ordens kam Hagenbach 1806 dann an Württemberg (Amt Scheuerberg).

Die Friedhofskapelle ist das älteste erhaltene Gebäude in Hagenbach. In die Wand der Kapelle ist ein Bruchstück eines alten (wohl römischen) Inschriftensteins vermauert. Die Kapelle war die ursprüngliche katholische Hagenbacher Kirche und als solche als Filiale der Kreuzkapelle Duttenberg 1512 erstmals erwähnt. Hagenbach wurde noch im 16. Jahrhundert bis 1948 Pfarrfiliale von Untergriesheim, danach bis 1954 von Obergriesheim und seither von Kochendorf. Das Pfarramt Untergriesheim mit seinen Filialen Hagenbach, Heuchlingen, Höchstberg und Tiefenbach scheint den Herren von Wittstatt zugehört zu haben. Im 15. Jahrhundert kam es an die Rheinpfalz und gegen Mitte des 16. Jahrhunderts an den Deutschen Orden. Dies Gott sei Dank, ansonsten wäre das Dorf wohl einige Jahrzehnte später auch im Zuge des Konfessionswechsel der Nachkommen derer von Wittstatt wahrscheinlich genau wie Kochendorf evangelisch geworden. Im Jahre 1805 kam die Pfarrei dann an die Krone von Württemberg, gehörte aber immer noch wie seit urdenklichen Zeiten zur Fürst-Bischöflichen Diözese Würzburg. Neun Jahre später erst wurde sie dann zu der im Königreich Württemberg neu errichteten Diözese zugeschlagen, welche nunmehr seit 1817 in Rottenburg/ Neckar residiert.

Die am Kapellengebäude befindliche Jahreszahl 1611 markiert das Jahr eines Neu- oder Umbau´s. Im Inneren befand sich bis 1971 ein aus der nahen Heuchlinger Kapelle stammender spätgotischer Flügelaltar, der heute die neue Barbarakapelle in Kochendorf schmückt. Die nach dem Zweiten Weltkrieg im Inneren im Wesentlichen zu einem Gefallenenehrenmal umgestaltete Kapelle wurde 1995 umfassend saniert und erhielt dabei auch einen kleinen freistehenden Glockenturm für die bei der Glockengießerei Bachert gegossene Friedhofsglocke.

1752 hat die Gemeinde für den Kirchbau u.a. ein Stück Grund inmitten des Ortes von einem Frantz Erlewein jun. von der Erleweinshofstatt ein Stück Garten erhandelt. Das Grundstück lag neben eines Philipp Erlewein´s Hausstücklein. Die neue Kirche, die „Kilianskirche“ wurde 1753 als Ersatz für die zu klein gewordene Friedhofskapelle mit Unterstützung der Deutschordenskomtur durch den Baumeister Johann Christoph von Buseck als Barockkirche mit Dachreiter erbaut. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und anschließend wiederhergestellt. Jedoch befand man sie rasch wiederum für zu klein, so dass sie 1958/1959 um ein größeres, 26 x 15 m messendes Kirchenschiff und den 33 m hohen Turm erweitert wurde. Schiff und Chor der alten Kirche bilden heute die östliche Hälfte des neuen Kirchgebäudes.

Die Kirchenbücher der damals zuständigen Pfarrei Untergriesheim setzen bei den Taufen erst 1649, bei den Trauungen 1650 und bei den Sterbefällen 1651 ein. Mit bei den ersten Kirchbucheinträgen findet sich dabei ein Jörg Erlewein, verheiratet mit einer Maria, der am 20.10.1653 eine Tochter Maria Cleova taufen lässt. Er stirbt am 03.01.1677, die Mutter des Kindes am 31.08.1679, beide ohne Altersangabe. Jörg könnte ein Bruder unseres Vorfahren Marcus Erlewein sein, der am 27.01.1654 in Hagenbach Frau Anna Maria Bertzin (Bertsch) heiratete. Den beiden wurde am 31.10.1654 eine Tochter Margarethe getauft. Ab 1808 führte Hagenbach eigene Kirchenbücher, die Einrichtung eines eigenen Vikariat´s erfolgte im Jahre 1852.

Das Alte Rathaus in Hagenbach wurde übrigens um 1800 an der Stelle der früheren Burg Hagenbach (Steinhaus, später auch „Steinschloss“) erbaut.

Bei einer Volkszählung im Jahre 1880 zählte man in Hagenbach 315 Menschen, 61 Wohngebäude und 134 Nebengebäude. Der Viehbestand umfasste zu dieser Zeit 6 Pferde, 4 Ochsen u. Stiere, 85 Kühe, 82 Stück Schmalvieh und Kälber, 330 Schafe, 81 Schweine, 5 Ziegen u. Böcke, sowie 14 Bienenstöcke.

Das Dorf bestand aus 2271 Parzellen, die Flächen waren wie folgt aufgeteilt:

- 4 6/8 morgenOrtsareal,
- 1 7/8 morgenGemüse- u. Blumengärten,
- 1 5/8 morgenGras- u. Baumgärten,
- 541 7/8 morgenAckerland,
- 5 5/8 morgenWeinberge,
- 41 7/8 morgenWiesen,
- 67 6/8 morgenWald,
- 7 5/8 morgenWeiden,
- 9 4/8 morgenÖden,
- 1 3/8 morgenSteinbrüche,
- 3/8 morgenSandgruben,
- 23 4/8 morgenFlüsse u. Bäche,
- 17 3/8 morgenStraßen u. Wege.

Im Jahre 1935 wurde der Ort nach Bad Friedrichshall eingemeindet. Der Gemeinderat unter Schultheiß Denninger hatte hierfür ohne Gegenstimme votiert. Auch in einer zuvor einberufenen Versammlung der Hagenbacher Bürger erhoben diese keinen Einspruch. Der wirtschaftliche Verkehr von Hagenbach hatte sich eh zwangsläufig schon ganz nach Kochendorf orientiert. Der hauptsächliche Grund für die Eingemeindung bildete jedoch wohl die Tatsache, dass auf der Hagenbacher Gemarkung das Wehr für den Salinekanal lag. Nach dem Zusammenschluss entstand dann nördlich des Kochers zwischen Kochendorf und Hagenbach eine neue Bebauung, die sogenannte Hübsch-Jörgen-Siedlung.

Anmerkung am Rande: Kochendorf und Jagstfeld hatten ein Jahr davor fusioniert und der neuen Gemeinde den Namen Bad Friedrichshall (die staatliche Saline am Ort trug diesen schon seit einem Jahrhundert) gegeben. Nach dem Ende des II. Weltkriegs aufgekommene Tendenzen, die einzelnen Ortsteile wieder selbst-ständig zu machen, scheiterten. Am 12.Juni 1951 wurde Bad Friedrichshall bereits zur Stadt erhoben. Die Eingliederung der bis dahin noch eigenständigen Nachbargemeinden Duttenberg und Untergriesheim nach Bad Friedrichshall folgte in den siebziger Jahren des 20. Jahrhundert. Im Jahre 1975 wohnten im Stadtteil Hagenbach auf einer Fläche von 229 Hektar insgesamt 656 Menschen.

Im Landesarchiv Baden Württemberg findet sich unter JL 425 Bd 23 Qu 64/68 eine Information über des Verkauf des Ortes 1506 sowie eine statistische Beschreibung Hagenbach´s um 1800. Zudem liegen dort weitere Dokumente mit folgenden Inhalten:

"Pfarreieinkommen und Pfarrhausbau in Hagenbach (1581-1757)“,
265 Bü 133,
"Der dem Domkapital Worms zustehende Zehnt zu Hagenbach (1643-1651)“,
265 Bü 138,
"Die Falkenstein´schen Gültgüter zu Oedheim und Hagenbach (1675-1730)“,
265 Bü 77,
"Reparation der Kocherbrücke, auch Kelern zu Hagenbach (1729-1784)“,
265 Bü 3,
"Die von Kurpfalz auf ihr heimgefallenes Hagenbach´sches Lehenshaus anmaßten Mitjagens-, Kelter-, Fischwasser- und andere Rechte (1566-1641)“,
265 Bü 55,
"Einheimsung der strittigen eigentümlichen Hagenbach´schen Nutzungen (1587), Verzeichnis Zehntfreier Güter zu Hagenbach (o.D.), Quartierkosten zu Hagenbach (1692), (1587-1711)“,
265 Bü 59,
"Ansuchen der Untertanen zu Hagenbach um Bestätigung der Fronfreiheit gegen jährliche Abgabe von 15 fl (1767-1804)“,
265 Bü 60.


gez.:Rolf Erlewein, wohnhaft in 56068 Koblenz, Mainzer Str. 17a
Sohn des am 03.12.1917 in Hagenbach geborenen Alois Erlewein (nach dem II. Weltkrieg im Ort genannt der „Schwarzwälder“).

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